typically german; – Anja Spohr, Belinda Villbrandt und Gastautoren

Unsere Plattform für internationale Fach- und Führungskräfte auf Deutschland-Einsatz entwickelt sich ständig weiter. Neben unterhaltsamen und hilfreichen Artikeln bieten wir die Möglichkeit zum aktiven Austausch.
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Geschäftsessen in Deutschland

März 12, 2012 Von: Belinda Villbrandt Kategorie: In Deutschland arbeiten

Kontakte intensivieren

Ein Geschäftsessen mit deutschen Kollegen, Kunden oder Geschäftspartnern bietet gute Möglichkeiten, Kontakte und Diskussionen in gelockerter Atmosphäre fortzusetzen. Dabei ist es in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern sehr üblich, während eines Geschäftsessens auch Geschäftsthemen zu besprechen. Häufig finden solche Verabredungen während der Mittagszeit, also zwischen 11.30 Uhr und 14.00 Uhr statt. In besonderen Situationen, beispielsweise um einen bedeutenden Erfolg zu würdigen, verabredet man sich auch mal abends. Im Gegensatz zum abendlichen, umfänglichen Menü werden beim Lunch häufig  zwei Gänge gewählt, also Vorspeise und Hauptgericht oder Hauptgericht und Dessert. Mit einer abschließenden Kaffeespezialität endet das Geschäftsessen in der Regel.

Der Knigge zeigt, wie’s gehen soll

Schon kleine Kinder lernen in deutschen Familien, wie sie sich bei Tisch zu verhalten haben. Es gibt mittlerweile eine Reihe von Firmen, die Business Seminare zur Tischetikette speziell in Deutschland vorhalten. Eine Seminarübersicht ist beispielsweise unter http://www.knigge.de/ zu finden. Adolph Freiherr Knigge, ein deutscher Schriftsteller aus dem 18. Jahrhundert, beschäftigte sich in seinem Werk „Über den Umgang mit Menschen“ mit guten Umgangsformen. Heute steht sein Name stellvertretend für alle Themen rund um die Etikette.

Zusammengefasst gibt es ein paar wichtige Gepflogenheiten, die man bei Tisch und im Rahmen eines Geschäftsessens beachten sollte.

  • In gehobenen Häusern empfiehlt es sich, vorab einen Tisch zu reservieren. Ansonsten sind Platzanweisungen in Deutschland noch nicht überall üblich.
  • Beginnen Sie erst zu trinken, wenn jeder am Tisch ein Getränk vor sich hat.  Vor dem ersten Schluck prosten Sie einander mit einem „Zum Wohl“ zu und blicken jedem Einzelnen dabei in die Augen.
  • Beginnen Sie erst zu essen, wenn jeder am Tisch sein Gericht vor sich hat. Wünschen Sie einen „Guten Appetit“. Beide Hände befinden sich während des Essens auf dem Tisch. Vermeiden Sie wilde Gesten und sofern es Ihnen schmeckt, essen Sie Ihr Gericht auf. Sobald Sie Ihre Mahlzeit beendet haben, legen Sie Messer und Gabel parallel über die rechte Tellerseite.
  • Sofern Sie zum Geschäftsessen eingeladen haben,  bezahlen Sie die Rechnung diskret beim Kellner am Tresen und lassen sich einen Bewirtungsbeleg ausstellen. Typisch deutsch dabei ist die Form des Trinkgeldes. Wenn Sie sich gut bedient gefühlt haben, schlagen Sie auf den Rechnungsbetrag um die zehn Prozent auf. Also Kellner sagt: „Das macht bitte 45,20 Euro.“ Und Sie erwidern: „Machen Sie 50 Euro.“ Direkt und offen, was natürlich Kopfrechnen und ein wenig Übung voraussetzt. Ein darüber hinaus ausgesprochenes Dankschön erhöht den Wert eines Trinkgeldes abschließend um ein Vielfaches.
  • Wenn Sie mit den anderen Teilnehmern gemeinsam zum Essen gekommen sind, gehen Sie auch gemeinsam. Es ist üblich, nach dem Essen noch ein wenig am Tisch sitzen zu bleiben.
  • Findet ein Geschäftsessen mittags statt, wird häufig auf alkoholische Getränke verzichtet, denn schließlich liegt in der Regel noch ein arbeitsreicher Nachmittag vor einem. Trotzdem gibt es hierfür keine Regel. Es ist also vollkommen in Ordnung, wenn diese Frage jeder für sich selbst entscheidet.
  • Und zu guter Letzt: Frauen verhalten sich als Gastgeberin ebenso wie männliche Gastgeber. Antiquierte Einstellungen wie, dass Frauen nicht bezahlen oder Geschäftspartnern nicht die Tür öffnen sollen, passen nicht mehr in die deutsche Geschäftswelt von heute.

 

Thank you for travelling with Deutsche Bahn

Februar 23, 2012 Von: Anja Spohr Kategorie: In Deutschland leben

Sie fährt schon lange durch Deutschland, die Deutsche Bahn (DB). Mittlerweile existiert ein umfangreiches Streckennetz mit Regionalbahnen, InterCity-Zügen oder dem schnellen ICE (InterCity Express), das auch in entlegene Gegenden Deutschlands führt. Viele Pendler nutzen die Bahn täglich, um zur Arbeit zu fahren. Immer wieder gibt es Lob und Kritik für den Service und die Dienstleistung.  In den vergangenen Jahren kam die „DB“ lange nicht aus den Schlagzeilen heraus, u.a. wegen Unpünktlichkeit der Züge, geplantem Börsengang, ausgefallener Klimaanlagen oder schadhafter Bremsen in den ICE’s.

Immer eine Reise wert – der Weg ist das Ziel

Um es gleich vorweg zu nehmen: es ist immer besser geworden mit unserer Bahn. Meist kommt sie pünktlich und wenn nicht, dann kommt es richtig dick. So kann es durchaus passieren, dass in kurzem Abstand von drei Fahrten keine so klappt, wie gewünscht. Die erste dauert aufgrund von Verspätung und damit verbundenem Verpassen eines Anschlusszuges zwei Stunden länger als geplant, die zweite endet aufgrund von Stellwerkschäden an einem Bahnhof, wo man nicht hin wollte, und die dritte wird auf eine „Bummelstrecke“ umgeleitet, weil sich auf der Schnellspur ein Unfall ereignet hat. Natürlich, eine Vielzahl von Dingen liegen außerhalb des Einflussbereiches des Unternehmens Bahn. Die Jahreszeiten zum Beispiel. Es gibt ein geflügeltes Wort in Deutschland: die vier Feinde der Deutschen Bahn sind Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter. Jede Jahreszeit hat schließlich etwas zu bieten (z.B: Herbstblätter auf den Schienen) und kommt, wie etwa auch Weihnachten, immer recht überraschend.

Kommunikation – aus allem das Beste machen

Auf jeden Fall kann man nach einer Fahrt mit der DB immer etwas erzählen und man lernt auch meistens nette, gleichermaßen geduldige Mitreisende kennen. Einmal hörte ich von einer Fahrt von Hamburg nach Hannover, die normalerweise 1,5 Stunden dauert. Diese Fahrt fand am Heiligabend statt. Alle Reisende hatten also ein gewisses Maß an Proviant dabei (Weihnachtskekse und eine gute Flasche Wein), der am Zielort verschenkt werden sollte. Der Winter bescherte Eisregen, der die Stromverbindungen kappte und zu einer Verlängerung der Reise um satte 9 Stunden führte. Die Reisenden wurden unfreiwillig zur Feiergemeinschaft und es wurde ein lustiger Abend. Als „Ersatz“ für die entgangenen Familienfeiern erhielten die Kunden einen Gutschein für die nächste Reise mit der Bahn. Prima Idee. Und zum Ende der Reise hieß es auch hier: „Thank you for travelling with Deutsche Bahn“.
Ein Board-Steward sagte mir einmal, wer mit der Bahn fährt, muss auf alles gefasst sein. Seitdem übe ich mich in Gelassenheit. Es ist ja, wie gesagt, schon viel besser geworden. Und einen Vorteil hat das Geschilderte gerade für „Deutschland-Neulinge“ – in unerwarteten Auszeiten die ausgiebige Gelegenheit, Landschaften und Leute zu studieren.

Als kleine Übersetzunghilfe aus dem Sprachfundus der Deutschen Bahn empfehlen wir übrigen http://www.bahndeutsch.de

Deutsche Bahn: http://www.bahn.de/p/view/index.shtml

Zuwanderungsland Deutschland

Februar 16, 2012 Von: Belinda Villbrandt Kategorie: In Deutschland arbeiten

Qualifizierte Arbeitskräfte dringend gesucht

Viele Stimmen in Deutschland rufen nach deutlich mehr Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte. Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, ist eine dieser Stimmen. Er spricht von einem „eklatanten Mangel an Fachkräften“ und plädiert für die Aufnahme von zwei Millionen qualifizierten Zuwanderern in den kommenden Jahren. In einigen Branchen, Berufen und Regionen gäbe es schon heute einen erhöhten Fachkräftebedarf. Bis 2025 werde gar eine Lücke von sechs bis sieben Millionen Fachkräften entstanden sein. „Diese Lücke können wir über das Mobilisieren von Arbeitskräften bei uns im Lande vielleicht zur Hälfte füllen.“ (Quelle: Interview – Die Welt vom 14. Mai 2011) Nur zu gut verständlich: Die deutsche Wirtschaft, die diesen Mangel zum Teil bereits heute eklatant spürt, schlägt Alarm. Besonders Ingenieure, medizinisches Personal und IT-Spezialisten werden gesucht. Es müssen deutliche Reformen her, um diese ausländischen Fachkräfte einfacher einstellen zu können.

Chancen für junge und ältere Deutsche

Dennoch gibt es auch andere Stimmen. Politische Parteien fordern mehr oder minder laut, primär den eigenen jungen Menschen aus Deutschland gute berufliche Perspektiven zu vermitteln und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu fördern. Und nicht zuletzt unter Berücksichtigung unserer deutlich alternden Gesellschaft altersgerechte Arbeitsplätze vorzuhalten. Problematisch sind an dieser Stelle „Entweder – Oder“ – Betrachtungen anstelle von „Sowohl – als auch“. Sorgen um den nationalen Arbeitsmarkt und das Werben um Wählerstimmen scheint schlüssige Konzepte der Zuwanderung mit zermürbenden Diskussionen deutlich zu verlangsamen.

Imageproblem für Deutschland – aber nicht in den Betrieben

Durch langwierige Diskussionen gerät Deutschland zunehmend in das Licht, Zuwanderer vielleicht gar nicht zu wollen. Dies steht zum Glück  in krassem Gegensatz zu dem, was wir im betrieblichen Alltag erleben. In den Firmen, in den konkreten Arbeitsgebieten geht es weniger um gesellschaftliche Diskussionen. Vielmehr steht im Vordergrund, Unternehmensziele mit einer motivierten und schlagkräftigen Mannschaft umzusetzen. In diesem Mikrokosmos, wo das Geschäft und das Bestehen am internationalen Markt die Hauptrolle spielen, ist jede professionell helfende Hand mehr als herzlich willkommen. Zunehmend viele Firmen bieten den Zugewanderten mittlerweile eine Reihe von Anreizen und gute Unterstützung beim Übersiedeln samt Familien. Es scheint noch Zukunftsmusik, dass die – wirklich vorhandene – Attraktivität Deutschlands und das – wirklich vorhandene – Willkommensheißen ausgewählter, internationaler Fachkräfte auch ganz staatlich-offiziell herausgestellt  würde. Die betroffenen deutschen Wirtschaftsunternehmen tun gut daran, ihre Arbeitgeberattraktivität zunehmend auch international  zu präsentieren.

 

Pessimisten und Bedenkenträger

Januar 29, 2012 Von: Anja Spohr Kategorie: In Deutschland arbeiten

„Angst“ ist ja ein Wort in der deutschen Sprache, das durchaus Internationalitätscharakter hat. Das muss daran liegen, dass es uns Deutschen liegt, Zukunft schnell mal pessimistisch zu betrachten und auch, wenn wir gerade keine Krise haben, auf selbige zu warten. Dann kommt sie auch, ob man wartet oder nicht.

Ja, aber…

Wir neigen nun einmal dazu, die Dinge akribisch bis zum Ende zu durchdenken. Wenn dann alles fertig gedacht ist, stellen wir oft fest, dass es zwar eine Lösung für das Problem gibt. In der Regel muss aber noch einiges zu bedenken gegeben werden. Das führt dazu, dass man uns Deutsche nicht für die spontansten Entscheider und Umsetzer hält. Es gibt eben immer etwas, was noch schiefgehen kann, finden wir. Da fängt man erst einmal besser gar nicht an, oder zumindest nicht einfach so. Die im anglo-amerikanischen Sprachraum so weit verbreitete „80-20-Regel“ setzt sich also nur langsam durch in Deutschland.

….andererseits

Auf der anderen Seite hat uns das Zaudern auch so manches Mal davor bewahrt, hinterher gravierende Fehler ausbügeln zu müssen. Ein recht gutes Beispiel ist unser Umgang mit der Finanzkrise in 2009:  entgegen anderweitig zu beobachtender Verhaltensweisen haben wir in Deutschland mit Bedacht arbeitsmarktrelevante Instrumente (z.B. Kurzarbeit) angewandt.  So haben wir vielleicht etwas länger mit einer adäquaten Reaktion auf die Marktsituation gebraucht. Heute können wir rückwirkend feststellen, dass wir diese Krise nicht nur gut überstanden haben, sondern gleichsam eine gesunde Basis für kommende Herausforderungen gelegt haben. „In der Ruhe liegt die Kraft“, heißt es ja auch in einem deutschen Sprichwort. Wir wollen dabei nicht phlegmatisch wirken, aber operative Hektik ist nicht das, was unseren Arbeitsstil ausmacht. Und das ist auch gut so.

Politik in Deutschland – das Grundgesetz und mehr

Januar 25, 2012 Von: Belinda Villbrandt Kategorie: In Deutschland leben

Parteien als Meinungsbildner und Interessenvertreter

Wer in Deutschland lebt, der lebt in einer Demokratie. Das deutsche Grundgesetz, unsere Verfassung, steht über allem. Neben den Grundrechten eines jeden Menschen beschreibt es, wie das demokratische Deutschland funktioniert, z.B. in welcher Form Wahlen stattfinden, welche Aufgaben und Kompetenzen Ämter beinhalten etc. Eine sehr wichtige Funktion im politischen System kommt den Parteien zu. In ihnen findet maßgebende Meinungsbildung und die Bündelung von Interessen statt. Deren aktive Mitglieder stehen bereit, Macht auszuüben und politische Ämter zu bekleiden, um die Interessen ihrer Mitglieder und Hauptwähler durchzusetzen. Mitunter verlaufen sich Parteien allerdings auch, wenn die eigene Überzeugung und Identität hinter dem Ziel, in der nächsten Legislaturperiode wiedergewählt zu werden, zurückstehen muss.

Die heute im Bundestag vertretenen politischen Parteien finden Sie hier:

 

 

Wahlrecht wird häufig nicht wahrgenommen

Die Wahlbeteiligung deutscher Bürger hat in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen. Auch Mitgliederschwund macht den politischen Parteien seit Jahren zu schaffen. Anscheinend erklären sich in Deutschland immer weniger Menschen bereit, verantwortlich politische Diskussionen zu führen und politische Ämter zu bekleiden. Unzufriedenheit mit getroffenen Entscheidungen wird mit Fernbleiben von den Wahlurnen quittiert. Auf regionale Projekte ausgerichtete Volksentscheide und entsprechende Initiativen sind hingegen auf dem Vormarsch.

 

Verantwortung beginnt beim Einzelnen

Demgegenüber steht das auch in  internationalen Fragen rasant an Bedeutung gewinnende Engagement von Politikern. Es sind vordergründig nun mal nicht die Wirtschaftsvertreter, die Lösungen für Bankenpleiten, Staatenkrisen, Machtwechsel erarbeiten und durchbringen müssen. Diese Herkules-Aufgabe steht vorwiegend den vom Volk legitimierten Politikern zu. Nicht zuletzt deshalb erscheint unsere heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel aktuell fast omnipräsent. Die Mehrzahl der Deutschen bewundert und schätzt ihren Einsatz sehr. Wie schön wäre es doch, wenn etwas davon sich auch auf ein verstärktes politisches Engagement der Bundesbürger übertragen würde, zum Beispiel an der Wahlurne, was ein Leichtes wäre. Verantwortung fängt gerade in der Demokratie beim Einzelnen an.

 

Grundrechte stärken die Freiheit des Einzelnen

Kommen wir aber noch einmal auf die Grundrechte zu sprechen. Diese sind im Wesentlichen in den Artikeln 1 bis 19 des deutschen Grundgesetzes zusammengefasst. Leben Sie in Deutschland sollten Sie zu schätzen wissen, dass hier

  • die Würde eines jeden Menschen unantastbar ist
  • jeder das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit hat, sofern er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt
  • alle Menschen vor dem Gesetz gleich und  Männer und Frauen gleichberechtigt sind
  • niemand wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen oder sexuellen Orientierung benachteiligt oder bevorzugt werden darf
  • niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden darf

Diese Inhalte entstammen allein den ersten 3 Artikeln des Grundgesetzes. In weiteren 16 Artikeln geht es um Versammlungsfreiheit und Briefgeheimnis, freie Berufswahl und Unverletztlichkeit der Wohnung und vieles mehr. Auch, wenn uns als Deutschen das Wort „Stolz“  recht schwer über die Lippen geht: auf das seit 1949 bestehende Grundgesetz sind wir stolz!

http://www.bundestag.de/dokumente/rechtsgrundlagen/grundgesetz/index.html

 

Betriebssport – immer in Bewegung bleiben

Januar 10, 2012 Von: Belinda Villbrandt Kategorie: In Deutschland arbeiten

Frage ich meinen mittlerweile über 65jährigen Onkel, was ihm in seiner über 40jährigen Berufszeit am meisten Spaß gemacht habe, werde ich als Antwort wahrscheinlich bekommen: na, der Betriebssport natürlich. Der hat zwar außerhalb der Arbeitszeit stattgefunden, aber seine  Tischtennis-Clique ist noch heute – als Pensionär –  ein wichtiger Bestandteil seines Lebens.  Sie traf sich einmal in der Woche abends zum Trainieren und anschließend auf ein Bier und ein deftiges Essen in der Kneipe. Sie nahm an Turnieren und Punktspielen teil und ging manches Jahr sogar mit Ehefrauen auf Sportreise.

Wettbewerb nur als Anreiz

Betriebssportlern ist der Zusammenhalt, das Kollegiale und das Mannschafts-Miteinander oftmals wichtiger als nach Siegen zu ringen und aufgestellte Rekorde zu brechen. Es geht um soziales Miteinander außerhalb des Büros, Spaß und natürlich auch Wettbewerb. Der gilt aber eher als Anreiz, überhaupt sportlich aktiv zu werden. Jeder, der schon einmal mit einer Betriebssportgruppe im Park Fußball gespielt oder gemeinsam mit anderen gekegelt hat, weiß, wovon ich rede.

Angebote unterschiedlichster Couleur

Seine Wurzeln hat der Betriebssport  in  der deutschen Arbeiterbewegung des 19. Jahrhunderts.  Einen Ausgleich zur beruflichen Tätigkeit durch eine regelmäßige sportliche Betätigung zu schaffen und die Gesundheit des Einzelnen zu stärken, stehen neben gesellschaftlichem Miteinander klar im Vordergrund. In vielen Firmen wird der Betriebssport mit viel Enthusiasmus organisiert, entweder durch die Arbeitnehmervertretungen, durch die Unternehmensleitung oder auch in privater Initiative. Je nach regionalen Möglichkeiten finden sich Angebote unterschiedlichster Couleur: Schwimmen, Tennis, Mountain Biking, Leichtathletik, Handball, Volleyball, Inlineskaten, Bowlen, Tanzen, Schach und viele mehr. Mancherorts werden heute auch Entspannungstechniken und Bewegungstherapien angeboten, was ganz klar zunehmenden Belastungserkrankungen geschuldet ist.

Offenen Auges zu neuen Kontakten

Für Expatriates bietet gerade der Betriebssport besonders gute Möglichkeiten, mit einheimischen (Sports-)kollegen in den Kontakt zu kommen. Und für die bindungswilligen Singles unter den Expatriates: ich habe schon auf so mancher Hochzeit getanzt, die aus dem Kennenlernen im Betrieb(ssport) resultierten. Also Augen auf bei der Sportwahl – und  fragen Sie mal nach, welche Möglichkeiten Ihr Arbeitgeber so bietet.

 

 

Silvester in Deutschland – Dinner for One

Dezember 27, 2011 Von: Anja Spohr Kategorie: In Deutschland leben

Alljährlich: Partytime

Und das sicherlich nicht nur in Deutschland. Silvester, also der 31.12. eines jeden Jahres, ist auch in Deutschland eine Nacht der Partys. Manche organisieren rauschende Feste, andere eine legere Party daheim im Partykeller (ja, die soll es heute noch geben) und wieder andere treffen sich zum gemeinsamen Kochen. Oder es wird ein Spieleabend im Kreise der Familie veranstaltet.

Egal, welche Art Veranstaltung es auch ist, eines darf seit Jahrzehnten in Deutschland als Einstieg nicht fehlen:

Dinner for One oder der 90. Geburtstag

Dieser Fernseh-Sketch wurde zwar 1963 vom NDR (Norddeutscher Rundfunk) produziert, erfunden haben ihn aber die Briten.

Der 90. Geburtstag von Miss Sophie (May Warden) wird mit ihren alten Weggefährten zusammen gefeiert. Allerdings sind deren Stühle leer, da die Herren schon vor längerer Zeit verblichen sind. Ganz real und äußerst lebendig ist der Butler James (Freddie Frinton), der in multiplen Rollen agiert: als Servicekraft, als „Sprecher“ für die imaginären Gäste und nach der Party auch in anderer Funktion, die aber – very british – nicht eindeutig definiert wird.

Das kommt an in Deutschland, während das Fernsehspiel in England weitgehend unbekannt blieb.

Butler James und Miss Sophie sind nach fast 50 Jahren und über 230 Ausstrahlungen auf Deutschen Fernsehsendern quasi Familienmitglieder und feste Institutionen in den Wohnzimmern der Silvesterfeierer geworden.

Es gibt kaum jemanden, der nicht zumindest einzelne kleine Passagen aus dem Stück rezitieren kann. Damit landen wir dann auch bei einer ziemlich Deutschen Eigenschaft: der Traditionspflege. Sie bezieht aber auch demnach nicht nur Urdeutsche Themen ein sondern ist durchaus in der Lage, sich kulturell zu erweitern.

Same procedure as every year, James!

http://www.youtube.com/watch?v=NDqD0Dz_J-M                                                                                

Alles Gute, Glück und Zufriedenheit für das Neue Jahr 2012! Wir freuen uns, wenn wir Sie hier auf unserem Blog im kommenden Jahr wiedersehen.

Nachweiswahn oder: wichtige Jobdokumente

Dezember 13, 2011 Von: Belinda Villbrandt Kategorie: In Deutschland arbeiten

Nachweise im normalen Leben

Neben den Nachweisen und Dokumenten, die erforderlich sind, um überhaupt in Deutschland leben und arbeiten zu können (siehe auch Beitrag „Formalitäten für das Leben und Arbeiten in Deutschland http://www.typically-german.com/?p=282), gibt es noch eine Fülle anderer Notwendigkeiten, ob nun beim Autofahren oder auch die eigene Qualifikation betreffend:

  • Haben Sie mal auf die deutschen Nummernschilder der Autos geschaut? Ohne die gültige „TÜV-Plakette“, den Nachweis, dass sich das Auto in einem technisch einwandfreien Zustand befindet, müssen Sie Ihr Auto stehenlassen.
  • Und zulassen können Sie das Auto ohnehin erst, wenn Sie den Nachweis einer Kraftfahrzeugversicherung erbringen.
  • Wenn Sie diese Hürden genommen haben, fahren Sie aber bloß nicht los, ohne eine leuchtende Warnweste, ein Warndreieck oder einen Verbandskasten an Bord zu haben. Sie riskieren ein Bußgeld, wenn Sie deren Vorhandensein nicht nachweisen können.
  • Können Sie als Handwerker einen Sachkundenachweis vorlegen? Nur dann dürfen Sie mit wassergefährdenden Stoffen wie Lacken, Heizöl oder Benzin arbeiten.
  • Wollen Sie mit Lebensmitteln tierischer Herkunft arbeiten? Dann benötigen Sie auf jeden Fall eine Belehrung nach § 43 Infektionsschutzgesetz, früher auch „Gesundheitszeugnis“ genannt.
  • Wollen Sie in Deutschland selbständig tätig werden? Dann brauchen Sie in aller Regel einen Gewerbeschein, denn die selbständige Tätigkeit ist anzeigepflichtig, egal, ob haupt- oder nebenberuflich ausgeführt.
  • Und wer in Deutschland studieren möchte, muss erst einmal nachweisen, dass er oder sie  die Allgemeine Hochschulreife erworben hat.

Fragen zu Nachweisen und Genehmigungen kosten uns Deutsche immer wieder viele Gedanken und Energie. Vertrauen ist zwar gut, aber Kontrolle eben doch besser! Schließlich ermöglicht sie ein gepflegtes Maß an Sicherheit, die wiederum der Gemeinschaft zu Gute kommt.

Nachweise im Arbeitsleben

In Europa sind Deutschland und die Schweiz die einzigen Länder, in denen es für Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis gibt. Im Einstellungsverfahren genießen entsprechende Nachweise somit eine hohe Bedeutung. Eine „vollständige Bewerbung“ umfasst normalerweise die folgenden Dokumente:

  • Kopien aller Schul- und Universitätszeugnisse
  • Nachweise über Zusatzausbildungen oder Trainingsmaßnahmen
  • Zeugnisse der bisherigen Arbeitgeber
  • Foto auf dem Lebenslauf oder dem Deckblatt der Bewerbung

Wenn Sie sich auf einen Arbeitsplatz bewerben, der Deutschkenntnisse erfordert, sollten Sie Ihr Anschreiben und Ihren Lebenslauf immer auf Deutsch einreichen. Versuchen Sie auch, Ihre Nachweise in übersetzter Form bereitzuhalten.

Man muss sich bei uns einfach gut organisieren und darauf achten, sich Tätigkeiten und Weiterentwicklungen durchgängig bescheinigen zu lassen. Es mag kompliziert und überflüssig erscheinen, aber im Kontakt mit Arbeitgebern und Geschäftspartnern erleichtern diese „Nachweise“ in Deutschland das Leben ungemein.

Dress Code

Dezember 06, 2011 Von: Anja Spohr Kategorie: In Deutschland arbeiten

Kleider machen Leute

Über das passende Outfit machen wir uns in diversen Lebenslagen Gedanken. Was ziehe ich an, wenn ich zum Vorstellungsgespräch gehe? Bin ich zur abendlichen Einladung beim Chef angemessen gekleidet? Wie hip muss ich auf der Party bei den Nachbarn erscheinen? „Kleider machen Leute“, weiß ein Deutsches Sprichwort. Generell heißt es ja, man sei besser over- als underdressed. Aber auch dabei kann man sich einfach nur unwohl fühlen. Zum Beispiel, wenn man als einziger in einem Job-Interview einen Schlips trägt und alle anderen Gesprächspartner lässig in Jeans und Sweatshirt dasitzen. Ergo: Information und Vorbereitung ist die halbe Miete. Man sollte schauen, was man über die Umgebung, zu der man sich passend kleiden möchte, vorab herausfinden kann.

Konservativ oder modern?

Schon bei Bürotätigkeiten gibt es hinsichtlich der „richtigen Kleidung“  enorme Unterschiede: Banken und andere Unternehmen, in denen die Angestellten viel Kundenkontakt haben, sehen ihre MitarbeiterInnen in aller Regel lieber konservativer gekleidet. Dies hat mit einem seriösen Bild zu tun, das man der Kundschaft vom eigenen Hause vermitteln möchte. Frei nach dem Motto: „Bei unseren kompetenten Mitarbeitern sind all Ihre Angelegenheiten in besten Händen!“ . Werbeagenturen  wiederum setzen naturgemäß auf ein modernes, kreatives Image, wodurch eher individuelle, aktuell angesagte Klamotten zum Einsatz kommen. In kundenfernen Tätigkeiten ist der Kleidungsstil insgesamt etwas freier, wobei wir Deutschen uns auf der Arbeit – was die Kleidung anbelangt – tendenziell etwas zurücknehmen. Lederjacken, Stilettos oder Piercings werden eher als Privatangelegenheit betrachtet und haben nach Ansicht vieler Führungskräfte am Arbeitsplatz weniger verloren, es sei denn, man arbeitet in einschlägigen Branchen. Glücklich sind dabei wohl diejenigen, die in einer Branche arbeiten, in der es eine Art „Arbeitsuniform“ gibt, wie z.B. Servicekräfte in der Gastronomie oder Handwerkerberufe. Hier entfällt vor allem der tägliche Überlegungsstress, was man heute anziehen soll.

After Work-Termine

Geht man nach dem Bürotag gemeinsam mit Kollegen oder Geschäftspartnern zum Abendessen, ist die Wahl der Kleidung relativ einfach: so bleiben, wie man im Büro gekleidet war. Wenn es zu leger für einen offiziellen Abendtermin ist, hilft die Krawatte in der Schreibtischschublade. Sollten Sie vor dem Beginn des gemeinsamen Geschäftsessens noch nach Hause gehen, ziehen Sie besser keine Jeans an sondern wechseln maximal die Flanellhose und schlüpfen in ein frisches Hemd. Auch außerhalb der geschäftlichen Umgebung kann man passend oder weniger passend gekleidet sein. Wenn Sie ganz neu in Deutschland sind und noch unsicher, wie die Gepflogenheiten in Sachen Dress Code sind, ist es ein guter Aufhänger, den Gastgeber direkt zu fragen, welchen atmosphärischen Rahmen er sich bei seiner Einladung vorstellt. Das zeigt Wertschätzung und Aufgeschlossenheit und bietet unmittelbar erste Gesprächsthemen.

Gehälter in Deutschland

November 29, 2011 Von: Belinda Villbrandt Kategorie: In Deutschland arbeiten

Die Gehaltsdiskussionen in Deutschland sind geprägt von der so genannten Tarifautonomie. Dies bedeutet, dass die Tarifpartner – Gewerkschaften und Arbeitgeber – den Tarifvertrag und somit Gehälter in der freien Wirtschaft autonom, das heißt ohne Einflussnahme anderer, besonders staatlicher Stellen, verhandeln und abschließen dürfen. Wenn es bei den Verhandlungen nach den Gewerkschaften geht, gibt es immer einen Grund für Lohn- und Gehaltserhöhungen. Wenn es wiederum nach den Arbeitgebern geht, kommen Gehaltserhöhungen in aller Regel ungelegen. Entweder geht die Wirtschaft zurück und der Unternehmer muss sparen oder aber, die Wirtschaft boomt und das Wachstum darf nicht zusätzlich belastet werden.

Die vergangenen Jahre waren allseits geprägt durch die Sparappelle der Unternehmer. Seit dem Jahr 2000 müssen Deutschlands Arbeitnehmer real, soll heißen nach Abzug der Inflationsrate, Einkommensverluste hinnehmen. Zu dieser Einschätzung kam eine Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Ist diese unternehmerische Gangart womöglich die Grundlage dafür, dass Deutschland in schwierigen Zeiten von Bankenkrisen und Staatspleiten wirtschaftlich noch recht stabil da steht?

Schauen wir auf die Beschäftigten in Deutschland. Einerseits können die meisten Arbeitnehmer durch ihr monatliches Salär ihren Lebensunterhalt bestreiten und im besten Fall auch Rücklagen für das Alter und Urlaube tätigen. Andererseits wird die Anzahl derer, deren Einkommen selbst für die nötigsten Ausgaben wie Miete, Verpflegung und Kleidung nicht reicht, immer größer. Von Urlauben und Altersvorsorge ganz zu schweigen.

Im Durchschnitt verdiente in 2010

  • Ein Bürokaufmann € 2.157,–
  • Ein Kraftfahrzeugmechaniker € 2.269,–
  • Ein Fachinformatiker € 2.610,–
  • Ein Chemielaborant € 2.917,–
  • Ein IT-Systemadministrator € 3.199,–
  • Ein Bankkaufmann € 3.621,–
  • Ein Ingenieur € 4.380,–

brutto monatlich. (Quelle: lohnspiegel.de) Vom Bruttogehalt gehen in Deutschland Sozialabgaben und Steuern ab, so dass – je nach persönlicher Situation  – ein deutlich geringerer Auszahlungsbetrag übrig bleibt. Einen Brutto-Netto-Rechner finden Sie unter  http://www.brutto-netto-rechner.info/

Legt man die geschilderte Reallohnentwicklung gegen die demographische Entwicklung der kommenden Jahre in Deutschland und den ins Haus stehenden Fach- und Führungskräftemangel, dürften hervorragend ausgebildete Fachkräfte mit neuen Verträgen deutliche Gehaltsentwicklungen realisieren können. Einfache Tätigkeiten, die auch ohne fundierte Ausbildung erlernbar sind, stehen hingegen in der Gefahr, vom Lohnniveau her weiter zu sinken.