typically german; – Anja Spohr, Belinda Villbrandt und Gastautoren

Unsere Plattform für internationale Fach- und Führungskräfte auf Deutschland-Einsatz entwickelt sich ständig weiter. Neben unterhaltsamen und hilfreichen Artikeln bieten wir die Möglichkeit zum aktiven Austausch.
Subscribe

Artikel der Kategorie Juli, 2013

Erfolge feiern – aber mit Bedacht!

Juli 26, 2013 Von: Anja Spohr Kategorie: In Deutschland arbeiten Noch keine Kommentare →

Ein Geschäftspartner aus den Niederlanden sagte kürzlich zu mir, dass wir ja bezüglich des Projekts, das wir gerade gemeinsam bearbeiten, schon sehr viel erreicht hätten und dass wir das ja eigentlich schon mal feiern könnten. Wieso, sagte ich, wir sind doch noch lange nicht fertig und es liegt ja noch so Einiges vor uns. Unverständnis zeigte sich auf dem Gesicht meines Gesprächspartners. Das schöne deutsche Sprichwort „Erst die Arbeit und dann das Vergnügen“ scheint an Aktualität nichts eingebüßt zu haben. Fast sklavisch hängen wir Deutschen an den Arbeits-Plänen, die wir (oder auch andere) uns  auferlegt haben und arbeiten sie ab. Wenn es dann geschafft ist, ok, dann können wir auch mal Freude zeigen und einen drauf machen. Aber nicht zu heftig, bitte, und auf keinen Fall zu früh. Man weiß ja nie, ob da nicht spontan noch nachgearbeitet werden muss… Und ist dann das, was wir geleistet haben auch wirklich gut?

Zweckpessimismus oder fishing for compliments?

Wollen wir also mehr Lob, als uns zusteht, oder stellen wir unser Licht zu sehr unter den Scheffel? Oder sind wir einfach nur langweilig und bieder? Das Thema „proaktives Selbstmarketing“ gehört sicher nicht zu den herausragenden Eigenschaften, die man den Deutschen zuschreiben kann. Falsche Bescheidenheit? Oder trauen wir uns nur nicht, auch mal stolz zu sein auf das, was wir geleistet haben?  Objektiv gesehen, muss man ja zugeben, dass so richtige Feierlaune und die Begeisterung etwas wirklich Großes und Tolles auf die Beine gestellt zu haben, erst nach der Fußball WM 2006 über die Deutschen gekommen zu sein scheint, nachdem die Welt von einem „Deutschen Sommermärchen“ gesprochen hat. Da holten wir dann die Deutschlandfahnen heraus und konnten voller Stolz sagen: Ja, das ist unser Erfolg und wir feiern ihn! Und nun können wir sicher auch mit dem Erfolg leben, es bei der EM der Fußball-Damen schon bis ins Finale geschafft zu haben.