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Artikel der Kategorie März, 2012

Dienstag ist Bürotag – Rituale im Deutschen Arbeitsalltag

März 17, 2012 Von: Anja Spohr Kategorie: In Deutschland arbeiten Noch keine Kommentare →

Im Arbeitsalltag in den Büros in Deutschland gibt es eine Fülle von Ritualen. Manche haben eine Geschichte und sind mit einer Handlung verbunden, andere sind ein ungeschriebenes Gesetz und werden schon gar nicht mehr erwähnt. Kürzlich hörte ich von einem Belgischen Kollegen, der einige Jahre in Deutschland  gearbeitet hat, dass es ihm schier unmöglich war, am Dienstag mit seinen Teammitgliedern im Außendienst die Standorte in deren Bezirk zu besuchen. Denn: Dienstag war Bürotag. Und das schon immer. Das hieß, dass keine Macht der Welt die Kolleginnen und Kollegen nach draußen locken konnte. Man musste schließlich ja auch mal den ganzen Kram, der sich so in der Woche ansammelt, bearbeiten. Da konnte draußen auch“ die Hütte brennen“, das war dann vollkommen egal.

 

„Mahlzeit!“

In Produktionsstandorten beginnt man mit dem mittäglichen Gruß „Mahlzeit“ bereits ab ca. 11 Uhr. Er läutet die Vorbereitung auf die Mittagspause ein und wird bis in die Nachmittagsstunden verwendet. Es kann allerdings auch vorkommen, dass Kollegen, die morgens etwas später als normal zur Arbeit erscheinen, mit dieser Begrüßung erfreut werden.

„Neun bis fünf“

Es ist schwer zu sagen, ob diese Regel der Vergangenheit angehört oder nicht. Glaubt man den Europäischen Statistiken, gehören die Deutschen zur Spitzengruppe in Sachen Überstunden: im Jahr 2011 sollen es insgesamt 2,5 Milliarden gewesen sein. So etwas klappt natürlich nicht, wenn man strikt von 9 – 17 Uhr arbeitet. In manchen Branchen ist aber sicher aus „von neun bis fünf“ ein „von sieben bis drei“ geworden. Vor allem an Freitagen.

„Feierabend!“

Was für ein schönes Wort.. Und manch einer sieht den Feierabend schon am frühen Nachmittag kommen. Der Feierabend ist vielen Arbeitnehmern in Deutschland heilig und auch deshalb wünscht man ihn sich und anderen besonders schön.

Sicher ist gerade im Exportweltmeisterland vieles im Umbruch, dennoch treffen wir diese Art von Prinzipien häufig im Alltag an…

Geschäftsessen in Deutschland

März 12, 2012 Von: Belinda Villbrandt Kategorie: In Deutschland arbeiten Noch keine Kommentare →

Kontakte intensivieren

Ein Geschäftsessen mit deutschen Kollegen, Kunden oder Geschäftspartnern bietet gute Möglichkeiten, Kontakte und Diskussionen in gelockerter Atmosphäre fortzusetzen. Dabei ist es in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern sehr üblich, während eines Geschäftsessens auch Geschäftsthemen zu besprechen. Häufig finden solche Verabredungen während der Mittagszeit, also zwischen 11.30 Uhr und 14.00 Uhr statt. In besonderen Situationen, beispielsweise um einen bedeutenden Erfolg zu würdigen, verabredet man sich auch mal abends. Im Gegensatz zum abendlichen, umfänglichen Menü werden beim Lunch häufig  zwei Gänge gewählt, also Vorspeise und Hauptgericht oder Hauptgericht und Dessert. Mit einer abschließenden Kaffeespezialität endet das Geschäftsessen in der Regel.

Der Knigge zeigt, wie’s gehen soll

Schon kleine Kinder lernen in deutschen Familien, wie sie sich bei Tisch zu verhalten haben. Es gibt mittlerweile eine Reihe von Firmen, die Business Seminare zur Tischetikette speziell in Deutschland vorhalten. Eine Seminarübersicht ist beispielsweise unter http://www.knigge.de/ zu finden. Adolph Freiherr Knigge, ein deutscher Schriftsteller aus dem 18. Jahrhundert, beschäftigte sich in seinem Werk „Über den Umgang mit Menschen“ mit guten Umgangsformen. Heute steht sein Name stellvertretend für alle Themen rund um die Etikette.

Zusammengefasst gibt es ein paar wichtige Gepflogenheiten, die man bei Tisch und im Rahmen eines Geschäftsessens beachten sollte.

  • In gehobenen Häusern empfiehlt es sich, vorab einen Tisch zu reservieren. Ansonsten sind Platzanweisungen in Deutschland noch nicht überall üblich.
  • Beginnen Sie erst zu trinken, wenn jeder am Tisch ein Getränk vor sich hat.  Vor dem ersten Schluck prosten Sie einander mit einem „Zum Wohl“ zu und blicken jedem Einzelnen dabei in die Augen.
  • Beginnen Sie erst zu essen, wenn jeder am Tisch sein Gericht vor sich hat. Wünschen Sie einen „Guten Appetit“. Beide Hände befinden sich während des Essens auf dem Tisch. Vermeiden Sie wilde Gesten und sofern es Ihnen schmeckt, essen Sie Ihr Gericht auf. Sobald Sie Ihre Mahlzeit beendet haben, legen Sie Messer und Gabel parallel über die rechte Tellerseite.
  • Sofern Sie zum Geschäftsessen eingeladen haben,  bezahlen Sie die Rechnung diskret beim Kellner am Tresen und lassen sich einen Bewirtungsbeleg ausstellen. Typisch deutsch dabei ist die Form des Trinkgeldes. Wenn Sie sich gut bedient gefühlt haben, schlagen Sie auf den Rechnungsbetrag um die zehn Prozent auf. Also Kellner sagt: „Das macht bitte 45,20 Euro.“ Und Sie erwidern: „Machen Sie 50 Euro.“ Direkt und offen, was natürlich Kopfrechnen und ein wenig Übung voraussetzt. Ein darüber hinaus ausgesprochenes Dankschön erhöht den Wert eines Trinkgeldes abschließend um ein Vielfaches.
  • Wenn Sie mit den anderen Teilnehmern gemeinsam zum Essen gekommen sind, gehen Sie auch gemeinsam. Es ist üblich, nach dem Essen noch ein wenig am Tisch sitzen zu bleiben.
  • Findet ein Geschäftsessen mittags statt, wird häufig auf alkoholische Getränke verzichtet, denn schließlich liegt in der Regel noch ein arbeitsreicher Nachmittag vor einem. Trotzdem gibt es hierfür keine Regel. Es ist also vollkommen in Ordnung, wenn diese Frage jeder für sich selbst entscheidet.
  • Und zu guter Letzt: Frauen verhalten sich als Gastgeberin ebenso wie männliche Gastgeber. Antiquierte Einstellungen wie, dass Frauen nicht bezahlen oder Geschäftspartnern nicht die Tür öffnen sollen, passen nicht mehr in die deutsche Geschäftswelt von heute.