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Artikel der Kategorie Februar, 2012

Thank you for travelling with Deutsche Bahn

Februar 23, 2012 Von: Anja Spohr Kategorie: In Deutschland leben Noch keine Kommentare →

Sie fährt schon lange durch Deutschland, die Deutsche Bahn (DB). Mittlerweile existiert ein umfangreiches Streckennetz mit Regionalbahnen, InterCity-Zügen oder dem schnellen ICE (InterCity Express), das auch in entlegene Gegenden Deutschlands führt. Viele Pendler nutzen die Bahn täglich, um zur Arbeit zu fahren. Immer wieder gibt es Lob und Kritik für den Service und die Dienstleistung.  In den vergangenen Jahren kam die „DB“ lange nicht aus den Schlagzeilen heraus, u.a. wegen Unpünktlichkeit der Züge, geplantem Börsengang, ausgefallener Klimaanlagen oder schadhafter Bremsen in den ICE’s.

Immer eine Reise wert – der Weg ist das Ziel

Um es gleich vorweg zu nehmen: es ist immer besser geworden mit unserer Bahn. Meist kommt sie pünktlich und wenn nicht, dann kommt es richtig dick. So kann es durchaus passieren, dass in kurzem Abstand von drei Fahrten keine so klappt, wie gewünscht. Die erste dauert aufgrund von Verspätung und damit verbundenem Verpassen eines Anschlusszuges zwei Stunden länger als geplant, die zweite endet aufgrund von Stellwerkschäden an einem Bahnhof, wo man nicht hin wollte, und die dritte wird auf eine „Bummelstrecke“ umgeleitet, weil sich auf der Schnellspur ein Unfall ereignet hat. Natürlich, eine Vielzahl von Dingen liegen außerhalb des Einflussbereiches des Unternehmens Bahn. Die Jahreszeiten zum Beispiel. Es gibt ein geflügeltes Wort in Deutschland: die vier Feinde der Deutschen Bahn sind Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter. Jede Jahreszeit hat schließlich etwas zu bieten (z.B: Herbstblätter auf den Schienen) und kommt, wie etwa auch Weihnachten, immer recht überraschend.

Kommunikation – aus allem das Beste machen

Auf jeden Fall kann man nach einer Fahrt mit der DB immer etwas erzählen und man lernt auch meistens nette, gleichermaßen geduldige Mitreisende kennen. Einmal hörte ich von einer Fahrt von Hamburg nach Hannover, die normalerweise 1,5 Stunden dauert. Diese Fahrt fand am Heiligabend statt. Alle Reisende hatten also ein gewisses Maß an Proviant dabei (Weihnachtskekse und eine gute Flasche Wein), der am Zielort verschenkt werden sollte. Der Winter bescherte Eisregen, der die Stromverbindungen kappte und zu einer Verlängerung der Reise um satte 9 Stunden führte. Die Reisenden wurden unfreiwillig zur Feiergemeinschaft und es wurde ein lustiger Abend. Als „Ersatz“ für die entgangenen Familienfeiern erhielten die Kunden einen Gutschein für die nächste Reise mit der Bahn. Prima Idee. Und zum Ende der Reise hieß es auch hier: „Thank you for travelling with Deutsche Bahn“.
Ein Board-Steward sagte mir einmal, wer mit der Bahn fährt, muss auf alles gefasst sein. Seitdem übe ich mich in Gelassenheit. Es ist ja, wie gesagt, schon viel besser geworden. Und einen Vorteil hat das Geschilderte gerade für „Deutschland-Neulinge“ – in unerwarteten Auszeiten die ausgiebige Gelegenheit, Landschaften und Leute zu studieren.

Als kleine Übersetzunghilfe aus dem Sprachfundus der Deutschen Bahn empfehlen wir übrigen http://www.bahndeutsch.de

Deutsche Bahn: http://www.bahn.de/p/view/index.shtml

Zuwanderungsland Deutschland

Februar 16, 2012 Von: Belinda Villbrandt Kategorie: In Deutschland arbeiten Noch keine Kommentare →

Qualifizierte Arbeitskräfte dringend gesucht

Viele Stimmen in Deutschland rufen nach deutlich mehr Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte. Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, ist eine dieser Stimmen. Er spricht von einem „eklatanten Mangel an Fachkräften“ und plädiert für die Aufnahme von zwei Millionen qualifizierten Zuwanderern in den kommenden Jahren. In einigen Branchen, Berufen und Regionen gäbe es schon heute einen erhöhten Fachkräftebedarf. Bis 2025 werde gar eine Lücke von sechs bis sieben Millionen Fachkräften entstanden sein. „Diese Lücke können wir über das Mobilisieren von Arbeitskräften bei uns im Lande vielleicht zur Hälfte füllen.“ (Quelle: Interview – Die Welt vom 14. Mai 2011) Nur zu gut verständlich: Die deutsche Wirtschaft, die diesen Mangel zum Teil bereits heute eklatant spürt, schlägt Alarm. Besonders Ingenieure, medizinisches Personal und IT-Spezialisten werden gesucht. Es müssen deutliche Reformen her, um diese ausländischen Fachkräfte einfacher einstellen zu können.

Chancen für junge und ältere Deutsche

Dennoch gibt es auch andere Stimmen. Politische Parteien fordern mehr oder minder laut, primär den eigenen jungen Menschen aus Deutschland gute berufliche Perspektiven zu vermitteln und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu fördern. Und nicht zuletzt unter Berücksichtigung unserer deutlich alternden Gesellschaft altersgerechte Arbeitsplätze vorzuhalten. Problematisch sind an dieser Stelle „Entweder – Oder“ – Betrachtungen anstelle von „Sowohl – als auch“. Sorgen um den nationalen Arbeitsmarkt und das Werben um Wählerstimmen scheint schlüssige Konzepte der Zuwanderung mit zermürbenden Diskussionen deutlich zu verlangsamen.

Imageproblem für Deutschland – aber nicht in den Betrieben

Durch langwierige Diskussionen gerät Deutschland zunehmend in das Licht, Zuwanderer vielleicht gar nicht zu wollen. Dies steht zum Glück  in krassem Gegensatz zu dem, was wir im betrieblichen Alltag erleben. In den Firmen, in den konkreten Arbeitsgebieten geht es weniger um gesellschaftliche Diskussionen. Vielmehr steht im Vordergrund, Unternehmensziele mit einer motivierten und schlagkräftigen Mannschaft umzusetzen. In diesem Mikrokosmos, wo das Geschäft und das Bestehen am internationalen Markt die Hauptrolle spielen, ist jede professionell helfende Hand mehr als herzlich willkommen. Zunehmend viele Firmen bieten den Zugewanderten mittlerweile eine Reihe von Anreizen und gute Unterstützung beim Übersiedeln samt Familien. Es scheint noch Zukunftsmusik, dass die – wirklich vorhandene – Attraktivität Deutschlands und das – wirklich vorhandene – Willkommensheißen ausgewählter, internationaler Fachkräfte auch ganz staatlich-offiziell herausgestellt  würde. Die betroffenen deutschen Wirtschaftsunternehmen tun gut daran, ihre Arbeitgeberattraktivität zunehmend auch international  zu präsentieren.