Pessimisten und Bedenkenträger
„Angst“ ist ja ein Wort in der deutschen Sprache, das durchaus Internationalitätscharakter hat. Das muss daran liegen, dass es uns Deutschen liegt, Zukunft schnell mal pessimistisch zu betrachten und auch, wenn wir gerade keine Krise haben, auf selbige zu warten. Dann kommt sie auch, ob man wartet oder nicht.
Ja, aber…
Wir neigen nun einmal dazu, die Dinge akribisch bis zum Ende zu durchdenken. Wenn dann alles fertig gedacht ist, stellen wir oft fest, dass es zwar eine Lösung für das Problem gibt. In der Regel muss aber noch einiges zu bedenken gegeben werden. Das führt dazu, dass man uns Deutsche nicht für die spontansten Entscheider und Umsetzer hält. Es gibt eben immer etwas, was noch schiefgehen kann, finden wir. Da fängt man erst einmal besser gar nicht an, oder zumindest nicht einfach so. Die im anglo-amerikanischen Sprachraum so weit verbreitete „80-20-Regel” setzt sich also nur langsam durch in Deutschland.
….andererseits
Auf der anderen Seite hat uns das Zaudern auch so manches Mal davor bewahrt, hinterher gravierende Fehler ausbügeln zu müssen. Ein recht gutes Beispiel ist unser Umgang mit der Finanzkrise in 2009: entgegen anderweitig zu beobachtender Verhaltensweisen haben wir in Deutschland mit Bedacht arbeitsmarktrelevante Instrumente (z.B. Kurzarbeit) angewandt. So haben wir vielleicht etwas länger mit einer adäquaten Reaktion auf die Marktsituation gebraucht. Heute können wir rückwirkend feststellen, dass wir diese Krise nicht nur gut überstanden haben, sondern gleichsam eine gesunde Basis für kommende Herausforderungen gelegt haben. “In der Ruhe liegt die Kraft”, heißt es ja auch in einem deutschen Sprichwort. Wir wollen dabei nicht phlegmatisch wirken, aber operative Hektik ist nicht das, was unseren Arbeitsstil ausmacht. Und das ist auch gut so.





