typically german; – Anja Spohr, Belinda Villbrandt und Gastautoren

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Artikel der Kategorie Januar, 2012

Pessimisten und Bedenkenträger

Januar 29, 2012 Von: Anja Spohr Kategorie: In Deutschland arbeiten Noch keine Kommentare →

„Angst“ ist ja ein Wort in der deutschen Sprache, das durchaus Internationalitätscharakter hat. Das muss daran liegen, dass es uns Deutschen liegt, Zukunft schnell mal pessimistisch zu betrachten und auch, wenn wir gerade keine Krise haben, auf selbige zu warten. Dann kommt sie auch, ob man wartet oder nicht.

Ja, aber…

Wir neigen nun einmal dazu, die Dinge akribisch bis zum Ende zu durchdenken. Wenn dann alles fertig gedacht ist, stellen wir oft fest, dass es zwar eine Lösung für das Problem gibt. In der Regel muss aber noch einiges zu bedenken gegeben werden. Das führt dazu, dass man uns Deutsche nicht für die spontansten Entscheider und Umsetzer hält. Es gibt eben immer etwas, was noch schiefgehen kann, finden wir. Da fängt man erst einmal besser gar nicht an, oder zumindest nicht einfach so. Die im anglo-amerikanischen Sprachraum so weit verbreitete „80-20-Regel” setzt sich also nur langsam durch in Deutschland.

….andererseits

Auf der anderen Seite hat uns das Zaudern auch so manches Mal davor bewahrt, hinterher gravierende Fehler ausbügeln zu müssen. Ein recht gutes Beispiel ist unser Umgang mit der Finanzkrise in 2009:  entgegen anderweitig zu beobachtender Verhaltensweisen haben wir in Deutschland mit Bedacht arbeitsmarktrelevante Instrumente (z.B. Kurzarbeit) angewandt.  So haben wir vielleicht etwas länger mit einer adäquaten Reaktion auf die Marktsituation gebraucht. Heute können wir rückwirkend feststellen, dass wir diese Krise nicht nur gut überstanden haben, sondern gleichsam eine gesunde Basis für kommende Herausforderungen gelegt haben. “In der Ruhe liegt die Kraft”, heißt es ja auch in einem deutschen Sprichwort. Wir wollen dabei nicht phlegmatisch wirken, aber operative Hektik ist nicht das, was unseren Arbeitsstil ausmacht. Und das ist auch gut so.

Politik in Deutschland – das Grundgesetz und mehr

Januar 25, 2012 Von: Belinda Villbrandt Kategorie: In Deutschland leben Noch keine Kommentare →

Parteien als Meinungsbildner und Interessenvertreter

Wer in Deutschland lebt, der lebt in einer Demokratie. Das deutsche Grundgesetz, unsere Verfassung, steht über allem. Neben den Grundrechten eines jeden Menschen beschreibt es, wie das demokratische Deutschland funktioniert, z.B. in welcher Form Wahlen stattfinden, welche Aufgaben und Kompetenzen Ämter beinhalten etc. Eine sehr wichtige Funktion im politischen System kommt den Parteien zu. In ihnen findet maßgebende Meinungsbildung und die Bündelung von Interessen statt. Deren aktive Mitglieder stehen bereit, Macht auszuüben und politische Ämter zu bekleiden, um die Interessen ihrer Mitglieder und Hauptwähler durchzusetzen. Mitunter verlaufen sich Parteien allerdings auch, wenn die eigene Überzeugung und Identität hinter dem Ziel, in der nächsten Legislaturperiode wiedergewählt zu werden, zurückstehen muss.

Die heute im Bundestag vertretenen politischen Parteien finden Sie hier:

 

 

Wahlrecht wird häufig nicht wahrgenommen

Die Wahlbeteiligung deutscher Bürger hat in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen. Auch Mitgliederschwund macht den politischen Parteien seit Jahren zu schaffen. Anscheinend erklären sich in Deutschland immer weniger Menschen bereit, verantwortlich politische Diskussionen zu führen und politische Ämter zu bekleiden. Unzufriedenheit mit getroffenen Entscheidungen wird mit Fernbleiben von den Wahlurnen quittiert. Auf regionale Projekte ausgerichtete Volksentscheide und entsprechende Initiativen sind hingegen auf dem Vormarsch.

 

Verantwortung beginnt beim Einzelnen

Demgegenüber steht das auch in  internationalen Fragen rasant an Bedeutung gewinnende Engagement von Politikern. Es sind vordergründig nun mal nicht die Wirtschaftsvertreter, die Lösungen für Bankenpleiten, Staatenkrisen, Machtwechsel erarbeiten und durchbringen müssen. Diese Herkules-Aufgabe steht vorwiegend den vom Volk legitimierten Politikern zu. Nicht zuletzt deshalb erscheint unsere heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel aktuell fast omnipräsent. Die Mehrzahl der Deutschen bewundert und schätzt ihren Einsatz sehr. Wie schön wäre es doch, wenn etwas davon sich auch auf ein verstärktes politisches Engagement der Bundesbürger übertragen würde, zum Beispiel an der Wahlurne, was ein Leichtes wäre. Verantwortung fängt gerade in der Demokratie beim Einzelnen an.

 

Grundrechte stärken die Freiheit des Einzelnen

Kommen wir aber noch einmal auf die Grundrechte zu sprechen. Diese sind im Wesentlichen in den Artikeln 1 bis 19 des deutschen Grundgesetzes zusammengefasst. Leben Sie in Deutschland sollten Sie zu schätzen wissen, dass hier

  • die Würde eines jeden Menschen unantastbar ist
  • jeder das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit hat, sofern er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt
  • alle Menschen vor dem Gesetz gleich und  Männer und Frauen gleichberechtigt sind
  • niemand wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen oder sexuellen Orientierung benachteiligt oder bevorzugt werden darf
  • niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden darf

Diese Inhalte entstammen allein den ersten 3 Artikeln des Grundgesetzes. In weiteren 16 Artikeln geht es um Versammlungsfreiheit und Briefgeheimnis, freie Berufswahl und Unverletztlichkeit der Wohnung und vieles mehr. Auch, wenn uns als Deutschen das Wort “Stolz”  recht schwer über die Lippen geht: auf das seit 1949 bestehende Grundgesetz sind wir stolz!

http://www.bundestag.de/dokumente/rechtsgrundlagen/grundgesetz/index.html

 

Betriebssport – immer in Bewegung bleiben

Januar 10, 2012 Von: Belinda Villbrandt Kategorie: In Deutschland arbeiten Noch keine Kommentare →

Frage ich meinen mittlerweile über 65jährigen Onkel, was ihm in seiner über 40jährigen Berufszeit am meisten Spaß gemacht habe, werde ich als Antwort wahrscheinlich bekommen: na, der Betriebssport natürlich. Der hat zwar außerhalb der Arbeitszeit stattgefunden, aber seine  Tischtennis-Clique ist noch heute – als Pensionär –  ein wichtiger Bestandteil seines Lebens.  Sie traf sich einmal in der Woche abends zum Trainieren und anschließend auf ein Bier und ein deftiges Essen in der Kneipe. Sie nahm an Turnieren und Punktspielen teil und ging manches Jahr sogar mit Ehefrauen auf Sportreise.

Wettbewerb nur als Anreiz

Betriebssportlern ist der Zusammenhalt, das Kollegiale und das Mannschafts-Miteinander oftmals wichtiger als nach Siegen zu ringen und aufgestellte Rekorde zu brechen. Es geht um soziales Miteinander außerhalb des Büros, Spaß und natürlich auch Wettbewerb. Der gilt aber eher als Anreiz, überhaupt sportlich aktiv zu werden. Jeder, der schon einmal mit einer Betriebssportgruppe im Park Fußball gespielt oder gemeinsam mit anderen gekegelt hat, weiß, wovon ich rede.

Angebote unterschiedlichster Couleur

Seine Wurzeln hat der Betriebssport  in  der deutschen Arbeiterbewegung des 19. Jahrhunderts.  Einen Ausgleich zur beruflichen Tätigkeit durch eine regelmäßige sportliche Betätigung zu schaffen und die Gesundheit des Einzelnen zu stärken, stehen neben gesellschaftlichem Miteinander klar im Vordergrund. In vielen Firmen wird der Betriebssport mit viel Enthusiasmus organisiert, entweder durch die Arbeitnehmervertretungen, durch die Unternehmensleitung oder auch in privater Initiative. Je nach regionalen Möglichkeiten finden sich Angebote unterschiedlichster Couleur: Schwimmen, Tennis, Mountain Biking, Leichtathletik, Handball, Volleyball, Inlineskaten, Bowlen, Tanzen, Schach und viele mehr. Mancherorts werden heute auch Entspannungstechniken und Bewegungstherapien angeboten, was ganz klar zunehmenden Belastungserkrankungen geschuldet ist.

Offenen Auges zu neuen Kontakten

Für Expatriates bietet gerade der Betriebssport besonders gute Möglichkeiten, mit einheimischen (Sports-)kollegen in den Kontakt zu kommen. Und für die bindungswilligen Singles unter den Expatriates: ich habe schon auf so mancher Hochzeit getanzt, die aus dem Kennenlernen im Betrieb(ssport) resultierten. Also Augen auf bei der Sportwahl – und  fragen Sie mal nach, welche Möglichkeiten Ihr Arbeitgeber so bietet.