typically german; – Anja Spohr, Belinda Villbrandt und Gastautoren

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Artikel der Kategorie Dezember, 2011

Silvester in Deutschland – Dinner for One

Dezember 27, 2011 Von: Anja Spohr Kategorie: In Deutschland leben Noch keine Kommentare →

Alljährlich: Partytime

Und das sicherlich nicht nur in Deutschland. Silvester, also der 31.12. eines jeden Jahres, ist auch in Deutschland eine Nacht der Partys. Manche organisieren rauschende Feste, andere eine legere Party daheim im Partykeller (ja, die soll es heute noch geben) und wieder andere treffen sich zum gemeinsamen Kochen. Oder es wird ein Spieleabend im Kreise der Familie veranstaltet.

Egal, welche Art Veranstaltung es auch ist, eines darf seit Jahrzehnten in Deutschland als Einstieg nicht fehlen:

Dinner for One oder der 90. Geburtstag

Dieser Fernseh-Sketch wurde zwar 1963 vom NDR (Norddeutscher Rundfunk) produziert, erfunden haben ihn aber die Briten.

Der 90. Geburtstag von Miss Sophie (May Warden) wird mit ihren alten Weggefährten zusammen gefeiert. Allerdings sind deren Stühle leer, da die Herren schon vor längerer Zeit verblichen sind. Ganz real und äußerst lebendig ist der Butler James (Freddie Frinton), der in multiplen Rollen agiert: als Servicekraft, als „Sprecher“ für die imaginären Gäste und nach der Party auch in anderer Funktion, die aber – very british – nicht eindeutig definiert wird.

Das kommt an in Deutschland, während das Fernsehspiel in England weitgehend unbekannt blieb.

Butler James und Miss Sophie sind nach fast 50 Jahren und über 230 Ausstrahlungen auf Deutschen Fernsehsendern quasi Familienmitglieder und feste Institutionen in den Wohnzimmern der Silvesterfeierer geworden.

Es gibt kaum jemanden, der nicht zumindest einzelne kleine Passagen aus dem Stück rezitieren kann. Damit landen wir dann auch bei einer ziemlich Deutschen Eigenschaft: der Traditionspflege. Sie bezieht aber auch demnach nicht nur Urdeutsche Themen ein sondern ist durchaus in der Lage, sich kulturell zu erweitern.

Same procedure as every year, James!

http://www.youtube.com/watch?v=NDqD0Dz_J-M                                                                                

Alles Gute, Glück und Zufriedenheit für das Neue Jahr 2012! Wir freuen uns, wenn wir Sie hier auf unserem Blog im kommenden Jahr wiedersehen.

Nachweiswahn oder: wichtige Jobdokumente

Dezember 13, 2011 Von: Belinda Villbrandt Kategorie: In Deutschland arbeiten Noch keine Kommentare →

Nachweise im normalen Leben

Neben den Nachweisen und Dokumenten, die erforderlich sind, um überhaupt in Deutschland leben und arbeiten zu können (siehe auch Beitrag „Formalitäten für das Leben und Arbeiten in Deutschland http://www.typically-german.com/?p=282), gibt es noch eine Fülle anderer Notwendigkeiten, ob nun beim Autofahren oder auch die eigene Qualifikation betreffend:

  • Haben Sie mal auf die deutschen Nummernschilder der Autos geschaut? Ohne die gültige „TÜV-Plakette“, den Nachweis, dass sich das Auto in einem technisch einwandfreien Zustand befindet, müssen Sie Ihr Auto stehenlassen.
  • Und zulassen können Sie das Auto ohnehin erst, wenn Sie den Nachweis einer Kraftfahrzeugversicherung erbringen.
  • Wenn Sie diese Hürden genommen haben, fahren Sie aber bloß nicht los, ohne eine leuchtende Warnweste, ein Warndreieck oder einen Verbandskasten an Bord zu haben. Sie riskieren ein Bußgeld, wenn Sie deren Vorhandensein nicht nachweisen können.
  • Können Sie als Handwerker einen Sachkundenachweis vorlegen? Nur dann dürfen Sie mit wassergefährdenden Stoffen wie Lacken, Heizöl oder Benzin arbeiten.
  • Wollen Sie mit Lebensmitteln tierischer Herkunft arbeiten? Dann benötigen Sie auf jeden Fall eine Belehrung nach § 43 Infektionsschutzgesetz, früher auch „Gesundheitszeugnis“ genannt.
  • Wollen Sie in Deutschland selbständig tätig werden? Dann brauchen Sie in aller Regel einen Gewerbeschein, denn die selbständige Tätigkeit ist anzeigepflichtig, egal, ob haupt- oder nebenberuflich ausgeführt.
  • Und wer in Deutschland studieren möchte, muss erst einmal nachweisen, dass er oder sie  die Allgemeine Hochschulreife erworben hat.

Fragen zu Nachweisen und Genehmigungen kosten uns Deutsche immer wieder viele Gedanken und Energie. Vertrauen ist zwar gut, aber Kontrolle eben doch besser! Schließlich ermöglicht sie ein gepflegtes Maß an Sicherheit, die wiederum der Gemeinschaft zu Gute kommt.

Nachweise im Arbeitsleben

In Europa sind Deutschland und die Schweiz die einzigen Länder, in denen es für Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis gibt. Im Einstellungsverfahren genießen entsprechende Nachweise somit eine hohe Bedeutung. Eine „vollständige Bewerbung“ umfasst normalerweise die folgenden Dokumente:

  • Kopien aller Schul- und Universitätszeugnisse
  • Nachweise über Zusatzausbildungen oder Trainingsmaßnahmen
  • Zeugnisse der bisherigen Arbeitgeber
  • Foto auf dem Lebenslauf oder dem Deckblatt der Bewerbung

Wenn Sie sich auf einen Arbeitsplatz bewerben, der Deutschkenntnisse erfordert, sollten Sie Ihr Anschreiben und Ihren Lebenslauf immer auf Deutsch einreichen. Versuchen Sie auch, Ihre Nachweise in übersetzter Form bereitzuhalten.

Man muss sich bei uns einfach gut organisieren und darauf achten, sich Tätigkeiten und Weiterentwicklungen durchgängig bescheinigen zu lassen. Es mag kompliziert und überflüssig erscheinen, aber im Kontakt mit Arbeitgebern und Geschäftspartnern erleichtern diese „Nachweise“ in Deutschland das Leben ungemein.

Dress Code

Dezember 06, 2011 Von: Anja Spohr Kategorie: In Deutschland arbeiten Noch keine Kommentare →

Kleider machen Leute

Über das passende Outfit machen wir uns in diversen Lebenslagen Gedanken. Was ziehe ich an, wenn ich zum Vorstellungsgespräch gehe? Bin ich zur abendlichen Einladung beim Chef angemessen gekleidet? Wie hip muss ich auf der Party bei den Nachbarn erscheinen? „Kleider machen Leute“, weiß ein Deutsches Sprichwort. Generell heißt es ja, man sei besser over- als underdressed. Aber auch dabei kann man sich einfach nur unwohl fühlen. Zum Beispiel, wenn man als einziger in einem Job-Interview einen Schlips trägt und alle anderen Gesprächspartner lässig in Jeans und Sweatshirt dasitzen. Ergo: Information und Vorbereitung ist die halbe Miete. Man sollte schauen, was man über die Umgebung, zu der man sich passend kleiden möchte, vorab herausfinden kann.

Konservativ oder modern?

Schon bei Bürotätigkeiten gibt es hinsichtlich der „richtigen Kleidung“  enorme Unterschiede: Banken und andere Unternehmen, in denen die Angestellten viel Kundenkontakt haben, sehen ihre MitarbeiterInnen in aller Regel lieber konservativer gekleidet. Dies hat mit einem seriösen Bild zu tun, das man der Kundschaft vom eigenen Hause vermitteln möchte. Frei nach dem Motto: „Bei unseren kompetenten Mitarbeitern sind all Ihre Angelegenheiten in besten Händen!“ . Werbeagenturen  wiederum setzen naturgemäß auf ein modernes, kreatives Image, wodurch eher individuelle, aktuell angesagte Klamotten zum Einsatz kommen. In kundenfernen Tätigkeiten ist der Kleidungsstil insgesamt etwas freier, wobei wir Deutschen uns auf der Arbeit – was die Kleidung anbelangt – tendenziell etwas zurücknehmen. Lederjacken, Stilettos oder Piercings werden eher als Privatangelegenheit betrachtet und haben nach Ansicht vieler Führungskräfte am Arbeitsplatz weniger verloren, es sei denn, man arbeitet in einschlägigen Branchen. Glücklich sind dabei wohl diejenigen, die in einer Branche arbeiten, in der es eine Art „Arbeitsuniform“ gibt, wie z.B. Servicekräfte in der Gastronomie oder Handwerkerberufe. Hier entfällt vor allem der tägliche Überlegungsstress, was man heute anziehen soll.

After Work-Termine

Geht man nach dem Bürotag gemeinsam mit Kollegen oder Geschäftspartnern zum Abendessen, ist die Wahl der Kleidung relativ einfach: so bleiben, wie man im Büro gekleidet war. Wenn es zu leger für einen offiziellen Abendtermin ist, hilft die Krawatte in der Schreibtischschublade. Sollten Sie vor dem Beginn des gemeinsamen Geschäftsessens noch nach Hause gehen, ziehen Sie besser keine Jeans an sondern wechseln maximal die Flanellhose und schlüpfen in ein frisches Hemd. Auch außerhalb der geschäftlichen Umgebung kann man passend oder weniger passend gekleidet sein. Wenn Sie ganz neu in Deutschland sind und noch unsicher, wie die Gepflogenheiten in Sachen Dress Code sind, ist es ein guter Aufhänger, den Gastgeber direkt zu fragen, welchen atmosphärischen Rahmen er sich bei seiner Einladung vorstellt. Das zeigt Wertschätzung und Aufgeschlossenheit und bietet unmittelbar erste Gesprächsthemen.