typically german; – Anja Spohr, Belinda Villbrandt und Gastautoren

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Artikel der Kategorie November, 2011

Gehälter in Deutschland

November 29, 2011 Von: Belinda Villbrandt Kategorie: In Deutschland arbeiten 1 Kommentar →

Die Gehaltsdiskussionen in Deutschland sind geprägt von der so genannten Tarifautonomie. Dies bedeutet, dass die Tarifpartner – Gewerkschaften und Arbeitgeber – den Tarifvertrag und somit Gehälter in der freien Wirtschaft autonom, das heißt ohne Einflussnahme anderer, besonders staatlicher Stellen, verhandeln und abschließen dürfen. Wenn es bei den Verhandlungen nach den Gewerkschaften geht, gibt es immer einen Grund für Lohn- und Gehaltserhöhungen. Wenn es wiederum nach den Arbeitgebern geht, kommen Gehaltserhöhungen in aller Regel ungelegen. Entweder geht die Wirtschaft zurück und der Unternehmer muss sparen oder aber, die Wirtschaft boomt und das Wachstum darf nicht zusätzlich belastet werden.

Die vergangenen Jahre waren allseits geprägt durch die Sparappelle der Unternehmer. Seit dem Jahr 2000 müssen Deutschlands Arbeitnehmer real, soll heißen nach Abzug der Inflationsrate, Einkommensverluste hinnehmen. Zu dieser Einschätzung kam eine Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Ist diese unternehmerische Gangart womöglich die Grundlage dafür, dass Deutschland in schwierigen Zeiten von Bankenkrisen und Staatspleiten wirtschaftlich noch recht stabil da steht?

Schauen wir auf die Beschäftigten in Deutschland. Einerseits können die meisten Arbeitnehmer durch ihr monatliches Salär ihren Lebensunterhalt bestreiten und im besten Fall auch Rücklagen für das Alter und Urlaube tätigen. Andererseits wird die Anzahl derer, deren Einkommen selbst für die nötigsten Ausgaben wie Miete, Verpflegung und Kleidung nicht reicht, immer größer. Von Urlauben und Altersvorsorge ganz zu schweigen.

Im Durchschnitt verdiente in 2010

  • Ein Bürokaufmann € 2.157,–
  • Ein Kraftfahrzeugmechaniker € 2.269,–
  • Ein Fachinformatiker € 2.610,–
  • Ein Chemielaborant € 2.917,–
  • Ein IT-Systemadministrator € 3.199,–
  • Ein Bankkaufmann € 3.621,–
  • Ein Ingenieur € 4.380,–

brutto monatlich. (Quelle: lohnspiegel.de) Vom Bruttogehalt gehen in Deutschland Sozialabgaben und Steuern ab, so dass – je nach persönlicher Situation  – ein deutlich geringerer Auszahlungsbetrag übrig bleibt. Einen Brutto-Netto-Rechner finden Sie unter  http://www.brutto-netto-rechner.info/

Legt man die geschilderte Reallohnentwicklung gegen die demographische Entwicklung der kommenden Jahre in Deutschland und den ins Haus stehenden Fach- und Führungskräftemangel, dürften hervorragend ausgebildete Fachkräfte mit neuen Verträgen deutliche Gehaltsentwicklungen realisieren können. Einfache Tätigkeiten, die auch ohne fundierte Ausbildung erlernbar sind, stehen hingegen in der Gefahr, vom Lohnniveau her weiter zu sinken.

 

Advent in Deutschland

November 21, 2011 Von: Anja Spohr Kategorie: In Deutschland leben Noch keine Kommentare →

Der Begriff Advent kommt aus dem Lateinischen. Advenire heißt ankommen. Keksmäßig kommen wir in der besinnlichen Zeit alle Jahre wieder bereits Ende September an. Von da an freuen wir uns, dass wir endlich hineinbeißen können in die lecker-saftigen Printen, Lebkuchen und Pfeffernüsse. Keiner tut dies natürlich offiziell vor dem 1. Advent, der immer auf einen Sonntag Ende November bzw. Anfang Dezember fällt. Viermal feiern wir den Advent, dann ist Weihnachten.

 

 „… erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, dann steht das Christkind vor der Tür!“

Adventskalender

Es gibt viele schöne Bräuche rund um den Advent. Und die nicht nur für Kinder – jedenfalls freue ich mich auch als Erwachsene jedes Jahr über einen Adventskalender. Diesen gibt es in den unterschiedlichsten Formen und diejenigen, die ihn schenken oder basteln, können sich kreativ austoben: sei es ein buntes Band mit 24 kleinen Päckchen, aufgehängt über dem offenen Kamin oder ein schlichter Aufstellkalender mit handelsüblichen Schokoladenfiguren – das Türeöffnen und Auspacken steigert die Vorfreude auf den Heiligen Abend und versüßt jeden einzelnen Tag bis dahin.

Adventskranz

Ganz wunderbar ist es auch, jeden Sonntag nach dem 26.11. (der erste Sonntag nach diesem Datum ist der 1. Advent)  eine dicke rote Kerze auf dem festlich geschmückten Adventskranz zu entzünden. Manche Menschen setzen sich dazu dann auch gemütlich zu Hause zusammen, essen im Idealfall selbstgebackene Kekse und trinken dazu Kaffee oder Tee. Auch das stimmt ein und erhellt die immer dunkler werdenden Tage bis Weihnachten, bis uns die vierte Kerze den Weg zum Heiligen Abend erleuchtet. In Büros sollte man übrigens gemeinhin vorsichtig sein mit dem Zündeln, es wird vielerorts aus Sicherheitsgründen nicht gern gesehen. Hier tut es dann – zwar nicht ganz so stimmungsvoll aber besonders  – eine LED-Lichterkette. Künstliches Licht en masse scheint in der Vorweihnachtszeit auch aus so manchem Fenster, entweder in Form so genannter „Rentnertreppen“, die in den buntesten Ausführungen Elektrokerzenschein in die vorweihnachtlich geschmückten Fenster zaubern oder aber in Form handgefertigter erzgebirgischer Schwibbögen. Link:  http://www.erzgebirge-palace.com/Erzgebirgische-Schwibbogen-und-Schwibboegen-im-Erzgebirge-Palast:_:3005.html

Wichteln

Manche nennen es auch Julklapp. Ein skandinavischer Brauch hat sich bis hierher durchgesetzt: witzig verpackte Geschenke mit namenlosen Gedichten werden einem von anonymen Schenkern zuteil. Der Beschenkte ahnt nur, von wem es vielleicht sein könnte. Wichteln ist ein typischer Brauch bei betrieblichen Weihnachtsfeiern, häufig auch als Steigerung  das „Bad-Taste-Wichteln“ oder auch „Schrott-Julklapp“. Da sollten sich diejenigen, die zugelost die kleinen Päckchen kreieren, so manches Mal lieber vorsehen, nicht erkannt zu werden……

Advents- und Weihnachtsmärkte

Durchaus als highlights  der Adventszeit kann man die vielerorts stattfindenden Weihnachtsmärkte bezeichnen. In den Innenstädten beginnen sie gern auch schon Mitte November und dauern bis zum Jahresende. An den Ständen Glühwein, Bratwürste und Schmalzgebäck zu genießen, ist schon etwas Besonderes. Sagt man uns Deutschen auch sonst eine große Ernsthaftigkeit nach, so fangen in den kleinen Budenstädten  die Kinderaugen aller an zu leuchten.  Bei einer reichen Auswahl von Veranstaltungen in der Vorweihnachtszeit ist für jeden Geschmack etwas dabei.Mehr Informationen dazu finden Sie unter

Link: http://www.weihnachtsmarkt-deutschland.de

Genießen Sie die Adventszeit!

Deutsches Bier

November 15, 2011 Von: Belinda Villbrandt Kategorie: In Deutschland leben Noch keine Kommentare →

Jever, Veltins, Krombacher, Bitburger, Weihenstephan – welch ein Wohlklang in unseren Ohren! Die Vorlieben bei deutschem Bier sind verschieden, wir haben ja ein reichhaltiges Angebot: das kühle Helle – auch Pils genannt -, das Dunkelbier, Maibock, Kölsch, Alt oder Weißbier und viele andere Sorten.  Es ist unser Nationalgetränk und damit ist die Qualitätsgarantie inbegriffen. Seit dem Jahr 1516 nach Christus brauen wir in Deutschland nämlich nach dem so genannten Reinheitsgebot. Welches Land kann das schon von sich sagen!

Unzählige Biersorten großer und kleiner regionaler Brauereien prägen den Markt und sind in Fässern, Flaschen, Dosen und eben auch im freien Ausschank zu erwerben. Das Bier wird in Fachbüchern und Romanen gehuldigt, wir singen Lieder darüber und besuchen Museen über das Bier. Und es gibt sogar eine Initiative mit dem Ziel, das deutsche Bier zum Weltkulturerbe zu erklären und damit das Reinheitsgebot unter internationalen Schutz zu stellen.

Auch, wenn das Trinken aus Bierflaschen mittlerweile gesellschaftsfähig geworden ist: das Auge trinkt mit. So ist ein gut gezapftes, wohl temperiertes Bier aus einem ansprechenden Glas nun einmal eine besondere Wohltat. Am besten schmeckt es in einer guten Kneipe in der Gesellschaft  netter Menschen, ob bekannt oder unbekannt. Aber auch ein Selbstversuch mit unterschiedlichen Biersorten zuhause – möglichst an verschiedenen Abenden – lohnt sich in jedem Fall!

Das „gepflegte“ Bier – perfekt eingeschenkt

Kühlen Sie das Bier im Kühlschrank. Nehmen Sie sich ein schönes Bierglas zur Hand und spülen es vor dem Einschenken mit kaltem Wasser aus. Hierdurch wird das Glas ausgekühlt und gleicht sich temperaturmäßig an das Bier an. Öffnen Sie die Flasche und halten Sie sie beim Einschenken schräg zum Glas. Lassen Sie die Schaumkrone den Glasrand erreichen. Stellen Sie das Glas kurz zur Seite, damit das Bier sich setzen kann. Danach schenken Sie soviel nach, bis sich eine wirklich schöne Schaumkrone bildet.

Prosit

Das gemeinsame Anstoßen und sich dabei in die Augen blicken stammt übrigens noch aus dem Mittelalter. Bevor man in Gesellschaft ein Bier trank, stieß man mit seinen Zechkumpanen kräftig an. Dabei schwappte das Bier über, also von einem Becher in den anderen. Hierdurch konnte man sicher sein, dass der  Gegenüber einen nicht vergiften wollte. Das Misstrauen ist gegangen, das Anstoßen ist geblieben! Prosit!

Und sollten Sie einmal in Verlegenheit kommen, einen Trinkspruch aufsagen zu müssen, gibt es hier einen obendrein:

Es tut mir sehr im Herzen weh, wenn ich vom Glas den Boden seh‘!

 

Serviceolymp oder Omote Nashi (1)

November 08, 2011 Von: Anja Spohr Kategorie: Praxiserfahrungen 1 Kommentar →

Der Serviceolymp wurde nicht in Deutschland erbaut – er steht in Japan. Trotzdem steht dieser Beitrag hier an dieser Stelle, denn auch hier wäre es ja zu schön…

Wer einmal nach Japan reist, wird verstehen, warum man schon unter Kundenfreundlichkeitsgesichtspunkten nie wieder dort weg möchte. Schon gar nicht zurück nach Deutschland. Da passiert es einem, dass man schon im Zubringerbus nach Frankfurt – ja, noch in Deutschland – von den perfekt deutsch sprechenden Angestellten der japanischen Fluglinie begrüßt wird, als reise man First Class. Was ich nicht tat, sondern ganz normale Bretterklasse. Dann wird der Bus mit einer Verbeugung und winkenden Händen verabschiedet und ich fragte mich, warum einem nicht auch deutsche Kollegen im Reisegeschäft ein ähnliches Gefühl des Willkommenseins vermitteln können. An der Sprache, so zeigt dieser Fall, kann es nicht liegen.

Nun soll das nicht heißen, dass es hervorragenden Service in Deutschland nicht gibt. Schon häufig habe ich mit wirklich reizenden Menschen in der Kundenbetreuung zu tun gehabt. Jedes Mal war ich positiv überrascht, soll heißen: es ist noch keine Selbstverständlichkeit geworden.

Zurück zu Japan: Das positive Serviceerlebnis ging dann weiter mit einer wie selbstverständlich pünktlichen Abfertigung des Flugzeugs, dem persönlichen Hinterhertragen einer Umsteigebordkarte und einem überaus aufmerksamen Service während des gesamten Fluges. Dieses Mal war es eine deutsche Kollegin der japanischen Fluggesellschaft, d.h.  wir können schon, wenn wir wollen! Oder wenn die Kultur und die Umgebung einem den Spaß an der Freundlichkeit nicht nimmt.

Einige weitere Beispiele steigerten das bemerkenswerte Serviceerlebnis im Laufe der Japanreise. So hilft ein Taxifahrer dem anderen (der dann das Geschäft mit den Fahrgästen macht), indem er ihn beim Einladen des schweren Gepäcks unterstützt. Als Deutsche könnte ich fragen: wieso macht der Mann das? In einem Besucherzentrum mit einem Modell und Japanischen Erklärungen zu uralten Kaisergräbern in der Nähe von Kyoto bekam ich nach Betreten desselben einen Flyer mit Erklärungen in englischer Sprache gebracht, obwohl ich die Frage danach noch nicht mal gedanklich formuliert hatte. Außerdem wurde mir direkt gezeigt, wo es den kostenfreien grünen Tee zu zapfen gibt. Häh?

Als dann zu guter Letzt meine angetretene Fahrt nach Tokyo mit dem Shinkansen[2] jäh von einem Taifun auf freier Strecke weit vor Erreichen des Ziels in einem kleinen Bahnhof am Meer endete, fand das Hilfsbereitschaftserlebnis seinen Höhepunkt. Nicht nur wurde ich gefragt, ob ein Hotel gewünscht war und ob der erfragte Preis recht sei. Der freundliche japanische Mitreisende begleite mich zusammen mit seinem Sitznachbarn aus dem Zug auch dorthin, schlug vor, mit anderen „Gestrandeten“ gemeinsam essen zu gehen und lud mich am Ende ein, da ich ja nun so eine negative Erfahrung machen müsste. Da hatte ich dann keine Fragen mehr.

Schnitt. Ein vom Kunden freundlich gewünschter „guter Abend“ wird mit einem Geräusch jenseits des Alphabets quittiert und der leicht genervten Anmerkung, ob man denn etwa noch Aufschnitt wünschte, denn die Schneidemaschine sei schon geputzt. Um 19 Uhr. Ladenschluss ist um 20 Uhr. Zurück in Deutschland. Wir können noch viel lernen.

[1] Omote nashi = Japanisches Dienstleistungsgen: das Bestreben danach, es anderen angenehm zu machen

[2] Hochgeschwindigkeitszug in Japan