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Artikel der Kategorie Oktober, 2011

Einarbeitung in den neuen Job

Oktober 30, 2011 Von: Belinda Villbrandt Kategorie: In Deutschland arbeiten 1 Kommentar →

Informationen helfen.

Natürlich sind gerade die ersten Tage im neuen Arbeitsumfeld immer recht aufregend. Bestenfalls haben Sie sich schon im Vorfeld viele Informationen über Ihr neues Umfeld zugänglich gemacht. Dies kann über Firmenbroschüren, Geschäftsberichte oder allgemeine Internet-Recherche geschehen sein. Vielleicht haben Sie als Konzernmitarbeiter aber auch Mitarbeiterzeitschriften und Haustelefonbücher durchstöbert. Noch besser dran sind diejenigen, die vielleicht schon einen anderen Mitarbeiter aus der neuen Firma kennen.

Fahrplan vorhanden?

Idealerweise hat sich Ihr neuer Arbeitgeber bereits gut auf Ihren Einstieg vorbereitet. Dann existiert tatsächlich eine Art Fahrplan für Ihren Start im neuen Job. Dieser regelt dann Details, von der Ausstattung mit einem Dienstausweis bis hin zur Festlegung Ihrer persönlichen Kompetenzen. Eventuell wurde Ihnen sogar ein so genannter Pate, also ein erfahrener Kollege, als Ansprechpartner zur Seite gestellt, der Ihnen einen einfachen Einstieg und viele neue Kontakte ermöglicht.

Ob nun mit oder ohne erkennbaren Fahrplan, Sie selbst können aktiv zu einem guten Beginn beitragen!

Guter erster Eindruck unterstützt reibungslosen Start.

Am ersten Arbeitstag ohne Entschuldigung eine halbe Stunde zu spät gekommen, wichtige Unterlagen vergessen, das nicht gebügelte Hemd mit Flecken angezogen oder sich laut und wild gestikulierend über das schlechte Hotel beklagt… Hat man den ersten Eindruck erst einmal verdorben, ist es schwer, den wieder zu relativieren. Neben passender Kleidung und Pünktlichkeit gehören zum ersten Kontakt auf jeden Fall auch ein höfliches, dezentes Auftreten, eine freundliche Mimik und eine positiv-interessierte Grundhaltung. Und dies unabhängig davon, ob man dem neuen Chef, neuen Kollegen, der Personalabteilung oder dem Pförtner begegnet. Ein freundliches, wertschätzendes Miteinander trägt zu einem guten Betriebsklima bei!

 

Mit Offenheit auf andere zugehen.

Unabhängig ob Mann oder Frau, ob in Griechenland oder in Afghanistan geboren, ob dem Christentum oder dem Buddhismus zugehörig…  In Deutschland tun wir viel dafür, damit wir respektvoll und tolerant mit einander umgehen. Man muss nicht mit jedem – auch in der neuen Firma nicht – gut Freund werden. Mit dem „Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz“ ist noch einmal ein Stück tiefer in die Firmen eingezogen, sich nicht gegen Einzelne oder Minderheiten zu verbünden und sie zu diskriminieren. Im Job geht es um ein konstruktives Miteinander und das gemeinsame Lösen von Aufgaben. Gegenseitige Akzeptanz und ein Teamgefühl, für das jeder Einzelne eine Menge tun kann, sind hierfür von großer Bedeutung.

 

Erst Unsicherheiten ansprechen, dann gezielt handeln.

Was genau zählt eigentlich zu meinen Aufgaben? Bei welchen Themen muss ich den Abteilungsleiter einschalten? Wie muss ich mich in einem Sonderfall verhalten? …  Jedem Neuen wird nachgesehen, dass er noch nicht mit allen Themen vertraut ist. Daher sollte gleich zu Beginn geklärt werden, wer im Falle von Fragen der erste Ansprechpartner ist. Gerade in der Anfangszeit sollten die Dinge, die zu Unsicherheiten führen, aktiv und konsequent geklärt werden. Die Fragen sollten deutlich formuliert und gestellt werden, und zwar wirklich so lange, bis die Antwort auch wirklich verstanden wurde. Kurze Notizen helfen dann später dem Erinnerungsvermögen auf die Sprünge. Kollegen haben in aller Regel Verständnis, dass es zu Beginn eine Menge an Fragen gibt. Wenn diese sich aber anfangen zu wiederholen, wird auch das Verständnis der Kollegen schwinden. Häufig spricht man in Deutschland von den ersten 100 Tagen im neuen Job. Das Ziel sollte sein, nach dieser Zeit in den neuen Aufgaben recht sattelfest zu sein.

Feiertage in Deutschland

Oktober 25, 2011 Von: Belinda Villbrandt Kategorie: In Deutschland leben 1 Kommentar →

Deutschland und seine Bundesländer  

Freud und Leid liegen nah bei einander

Deutschland hat eine Vielzahl von Feiertagen, an denen die Mehrheit der Bevölkerung nicht arbeitet und Schüler schulfrei haben. Die Feiertage Deutschlands sind einerseits staatlich, andererseits von den 16 Bundesländern geregelt. Trifft man einen Norddeutschen, so hört man oft, dass er bei den Feiertagen gegenüber Süddeutschen klar benachteiligt sei. In der Tat haben die Bundesländer im hohen Norden des Landes, also Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und Niedersachsen  insgesamt weniger verbindliche Feiertage als der Rest der Republik. Somit ist das Thema der Feiertagsregelungen ein immer wiederkehrendes in öffentlicher Diskussion. Die Arbeitgeberverbände bemängeln im innerdeutschen Staatenvergleich zu viele Feiertage. Die Arbeitnehmer hingegen jammern durchaus mal, so bald ein freier Tag auf ein Wochenende fällt, wo man in der Regel ohnehin nicht hätte arbeiten müssen. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern dieser Erde werden allerdings bewegliche Feiertage, die auf einen Samstag oder Sonntag fallen, nicht am Montag danach nachgeholt. In diesem Fall heißt es dann in Deutschland: Pech gehabt!

Tradition und Moderne

Kommt  man aus einem Land, in dem der Jahresurlaub im Durchschnitt zwei oder drei Wochen beträgt, wundert man sich vielleicht über das Ausmaß an Feiertagen in Deutschland. Es gehört zu den Traditionen des Landes, das geschichtlich besonders vom christlichen Glauben aber auch intensiven politischen Kontroversen geprägt ist. Waren Feiertage früher landesweit durch und durch geprägt von Glaubensritualen und öffentlichen Kundgebungen, so steht im Wandel der Zeit für eine nicht unbeträchtliche Zahl von Menschen Familien- und Freizeit im Mittelpunkt. Vielfach werden so genannte Brückentage häufig schon mit in die Urlaubsplanung des Jahres eingeplant. So können sich Mitarbeiter unter Einsatz eines Feiertages beispielsweise vier freie Tage am Stück ermöglichen.

Deutschland und seine Feiertage

Bundeseinheitlich geregelt

Neujahr (1.1.), Karfreitag (Ostersonntag – 2 Tage), Ostermontag (Ostersonntag + 1 Tag), Maifeiertag (1.5.), Christi Himmelfahrt (Ostersonntag + 39 Tage), Pfingstmontag (Ostersonntag + 50 Tage), Tag der deutschen Einheit (3.10.), 1. Weihnachtsfeiertag (25.12.), 2. Weihnachtsfeiertag (26.12.)

Regional unterschiedlich

Heilige Drei Könige (6.1.), Fronleichnam (Ostersonntag + 60 Tage), Mariä Himmelfahrt (15.8.), Reformationstag (31.10.), Allerheiligen (1.11.), Buß- und Bettag

Näheres unter http://de.wikipedia.org/wiki/Feiertage_in_Deutschland

Ist das kulturell bedingt oder sind sie einfach nur unhöflich?

Oktober 09, 2011 Von: t.davis Kategorie: In Deutschland leben Noch keine Kommentare →

Dieser Artikel widmet sich einer ganz speziellen Leserschaft. Er ist für Auswanderer, die erst kürzlich nach Deutschland gekommen und trotzdem schon lang genug hier sind, um bereits den einen oder anderen Kontakt zu Deutschen gehabt zu haben und somit auch die Gelegenheit, sich selbst zu fragen: „Ist das kulturell bedingt oder sind sie einfach nur unhöflich?“  Die Antwort ist… nunja, nicht so einfach. Wir sollten das Ganze mal genauer betrachten!

Sogar in Ihrem Herkunftsland gibt es Leute, die nicht wissen, wie sie sich benehmen sollen. Aber ich rede nicht über diese Art von Menschen. Ich rede über wohlerzogene höfliche Deutsche, ja, Sie haben richtig verstanden, „höflich“.  Wenn Ihnen dennoch Dinge unhöflich vorkommen sollten, ist das nun einmal kulturell bedingt. Kulturelles Hintergrundwissen ist ein Muss, wenn Sie mehr wollen als einfach nur in dieser Gemeinschaft, von der Sie nun ein Teil werden, zu überleben.

Somit lassen Sie mich Ihnen doch einen Tipp zur Deutschen Kommunikation geben. Als allererstes: Deutsche denken, dass Amerikaner es mit ihrer Höflichkeit übertreiben. Sie denken sogar, dass die Amerikanische Höflichkeit ein wenig unehrlich und oberflächlich ist. (Nur zur Info: die meisten Europäer denken das über Amerikaner). Die geradlinigen Deutschen bevorzugen „Ehrlichkeit“. Obwohl dieses Wort im Englischen durch das Wort „tactless“ (=taktlos) ersetzt würde, glauben die Deutschen ernsthaft, dass ehrliche Direktheit der beste Weg ist. So sind Aussagen wie

„Danke für den Wein, aber wir trinken überhaupt keinen Wein. Du kannst ihn gern behalten, wenn du willst.“

Oder

„Danke für das Buch, aber das haben wir schon!“

vollkommen akzeptabel und kommen den Deutschen mit einem Lächeln über die Lippen. Wenn sie Ihnen für den Wein oder das Buch danken und sagen würden, wie viel ihnen das Geschenk bedeutet, wäre das eine LÜGE! Warum also sollten sie jemanden anlügen, den sie mögen?!

Ja, das ausschlaggebende Wort hier lautet „mögen“. Sie müssen mir, was diese Sache angeht, vertrauen. Aber die wirklich wichtige Frage lautet: Wie antworte ich? Nun ja, ich bin Amerikanerin und lebe seit 20 Jahren immer wieder in Deutschland. Ich versuche also seit 20 Jahren, das herauszufinden und mein bester Ratschlag lautet: Seien auch Sie direkt! Da ich in einem Land aufgewachsen bin, wo die kulturelle Wahrnehmung von Direktheit und Unhöflichkeit gleichzusetzen ist, ist dies sicher etwas gewöhnungsbedürftig. Ich würde daher vorschlagen, etwas zu sagen wie :

„Tja, vielleicht kennt Ihr Leute, die Rotwein mögen. Schenkt ihn einfach weiter und macht ihnen eine Freude!“

Diese Antwort wird höchstwahrscheinlich erfreut aufgenommen! Niemand muss sich verstellen und alles ist gut. Das nächste Mal, wenn ein Deutscher schonungslos ehrlich zu Ihnen ist, bedenken Sie vielleicht, dass es dafür noch eine weitere Erklärung geben könnte. Hier gibt es auch einen versteckten Vorteil. Deutsche kommunizieren niemals mit versteckten Botschaften, so ist alles offen gelegt. Es kann sehr erfrischend sein, immer direkt zum Punkt zu kommen. Sie müssen sich nicht mehr den Kopf zerbrechen, was Ihnen Ihr Gegenüber durch die Blume zu sagen versucht. Ich wage mal eine Vorhersage: Sie gewöhnen sich schnell daran und bevor Sie es merken, sind Sie bereits selbst ein wenig taktloser geworden.