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Artikel der Kategorie Mai, 2011

Vorbereitung auf Deutschland

Mai 11, 2011 Von: Belinda Villbrandt Kategorie: In Deutschland leben Noch keine Kommentare →

Deutsch sprechen

Vor Ihnen liegt schon das  Arbeitsheft „Deutsch für den Alltag“? Wunderbar! In Deutschland sagt man, gute Vorbereitung sei alles. Und in der Tat öffnen sich gleich zu Beginn eines Aufenthaltes mehr Türen, wenn man die Sprache schon ein bisschen drauf hat. Benötigen Sie das Deutsch auch für Ihren Job, sollten Sie sich intensiv mit Kursen vorbereiten. Können Sie im Job eine andere Sprache sprechen, die Sie besser beherrschen, reichen sicher zunächst die wichtigsten Redewendungen für den Alltag.

„Mahlzeit“
Neben „Guten Tag“ und „Auf Wiedersehen“ gehört der Gruß „Mahlzeit“ übrigens zu einer der wichtigsten Socializing-Vokabeln in der Firma. Egal in welcher Branche, ob in der Kantine, auf dem Gang, im Waschraum oder auf dem Parkplatz. In der Zeit zwischen 11.00 Uhr und 14.00 Uhr ist „Mahlzeit“ immer gut platziert. (Manche Scherzbolde rufen auch Mahlzeit, wenn ein Kollege morgens eine halbe Stunde später als üblich am Arbeitsplatz ankommt.)

Das Ankommen organisieren

Mitsamt Gepäck setzen Sie Ihren Fuß auf neuen Boden. Deutschland. Der Umgang mit uns Deutschen wird oft als  angenehm empfunden, schließlich läuft alles meist ganz  strukturiert  und gut geplant. Sofern Ihnen Ihr Arbeitgeber eine Relocation Agentur an die Hand gegeben hat, haben Sie natürlich beste Unterstützung. Falls nicht, werden Sie sich um  Papiere, Wohnung, Umschreibung des Führerscheins, Auto usw. selbst kümmern  müssen.   In weiteren Beiträgen werden Sie in unserem Blog Informationen zu Themen wie Wohnungssuche, Kindergärten und Schulen oder unterschiedlichen Freizeitgestaltungsmöglichkeiten erhalten.

Erste Informationen

Für einen ersten Überblick haben wir unter „Links“ wichtige Informationen anderer Anbieter für Sie zusammengestellt. Dort erhalten Sie aktuelle Informationen z.B. über Umzug , Arbeits- und Lebensbedingungen sowie Soziale Sicherheit und Versicherungen in Deutschland.

Kontakte halten und neue Beziehungen aufbauen

Vom Bekannten, Vertrauten auf zu neuen Ufern, das bringt der Umzug in ein anderes Land mit sich. Ihre Entscheidung für diesen Schritt wird von den Daheimgebliebenen sicherlich unterschiedlich aufgenommen. Es gibt Menschen, die Sie verstehen und die sich mit Ihnen über die neue Herausforderung freuen. Wiederum gibt es andere, die Ihre Entscheidung ängstlich beäugen. In der ersten Zeit werden Sie Ihre Kraft und Konzentration ganz auf das Zurechtkommen im  neuen Umfeld lenken. Sprechen Sie mit Ihrer Familie und Ihren Freunden darüber, in welcher Form Sie Kontakt halten wollen. Möglichkeiten dazu gibt es heutzutage viele. Ob Sie E-Mails oder Skype nutzen, Facebook oder Twitter, es ist alles eine Frage der Vorbereitung. Sprechen Sie mit Ihrer Familie und Ihren Freunden. Das Kontakthalten mit denen, die Ihnen ans Herz gewachsen sind, stärkt Sie für die erste Zeit im neuen Land. Ein bewusster Umgang mit Abschied und Neubeginn ermöglicht die volle Konzentration auf das, was kommt. Und es erleichtert es, sich in der neuen Umgebung schnell wohlzufühlen.

Sich selbst Ziele setzen

Rom wurde nicht in einem Tag erbaut. Auch Sie selbst werden eine Zeit lang brauchen, im neuen Land anzukommen und sich zurecht zu finden. Sich selbst realistische und machbare Ziele zu setzen, gehört zur Veränderung dazu.  Akklimatisierung ist das Gebot der ersten Wochen im neuen Land. Für manche von Ihnen heißt das im wahrsten Wortsinn, mit dem deutschen Klima, den unterschiedlichen Jahreszeiten und Wetterlagen klar zu kommen.  Im übertragenen Wortsinn ist das Klima auch im menschlichen Miteinander zu finden. Wie werden Sie am neuen Arbeitsplatz aufgenommen? Wie gestaltet sich der Kontakt zu Nachbarn? Wie gelingen Ihnen die Verrichtungen des täglichen Lebens? Sich Schritt für Schritt machbare Ziele zu setzen, ist Grundbedingung für das Einleben. Lenken Sie Ihre Konzentration zunächst darauf, dass alles funktioniert und Sie sich einen passenden Tagesablauf schaffen. So lange Sie in Ihrem Alltag noch nicht fertig ausgestattet sind, greifen Sie auf Dienstleister wie Autovermietungen, Reinigungsservice, Wäschereien etc. zurück.  Ein deutsches Sprichwort lautet „In der Ruhe liegt die Kraft.“ Dies ist gerade in den ersten Wochen der Schlüssel zum Ankommen und sich Einleben.

„Du“ oder „Sie“ – deutsche Höflichkeit

Mai 11, 2011 Von: Belinda Villbrandt Kategorie: In Deutschland leben 1 Kommentar →

„Hi Klaus, ich bin Ernesto.“ könnte die falsche Ansprache sein, wenn Sie Ihrem Chef das erste Mal begegnen. Genau so könnte es Ihnen krumm genommen werden, wenn Sie Ihre neue Kollegin gleich mit „Helga“ und „Du“ ansprechen. Es wäre doch schade, gleich zu Beginn Störungen zu provozieren!

„Du“ oder „Sie“ –  auf die Form der Ansprache wird in Deutschland bis heute Wert gelegt.  „Sie“ hat eher förmlichen, höflichen Charakter. Es wird benutzt, wenn ein Kontakt noch neu ist oder der Kontext es gebietet.

    • Behörden- und  Arztbesuche,
    • das Einkaufen in Geschäften (außer vielleicht IKEA),
    • der Kontakt zu Schulen und Kindergärten,
    • zu Maklern und Vermietern

    Überall wird sich in Deutschland gesiezt. Auch in der beruflichen Beziehung zu Kunden oder Vorgesetzten steht das „Sie“ im Vordergrund.  Unter Kollegen ist es meist eine Frage der Teamzusammensetzung und -kultur und der einzelnen Vorlieben, ob das „Sie“ oder das „Du“ dominiert. Man ist immer erst einmal auf der sicheren Seite, wenn man neu irgendwo ankommt. Danach kann man in Ruhe beobachten, wie der Umgang miteinander gestaltet ist. Im Zweifel tut man gut daran, sich nach den Anredeformen einfach zu erkundigen.

Das „Du“ anbieten

Von anderen einfach geduzt zu werden, wird von vielen Menschen als Unhöflichkeit, mitunter sogar als Beleidigung empfunden.  Somit setzt das „Du“ voraus, dass es explizit angeboten wird. „Wollen wir uns duzen?“ ist ein kleiner formaler Akt, der bei mangelndem Feingefühl zu deutlichen Missstimmungen führen kann. Die Kenntnis einiger Grundregeln wird sich für den Anfang als hilfreich erweisen.

  • Es sollte immer der Ältere sein, der dem Jüngeren das „Du“ anbietet.
  • Im Umgang mit Kindern und Jugendlichen bietet der Erwachsene das „Du“ an.
  • Im Beruflichen ist es immer der hierarchisch Höhere, der zum Duzen einlädt.

Wird Im Geschäftsleben das „Du“ in der Regel mit einem Handschlag besiegelt, ist es in privaten Kreisen nicht unüblich, auf das „Du“ anzustoßen und es manchmal sogar mit einem Wangenkuss zu zelebrieren. Auch wenn das „Du“ nicht mit Freundschaft gleichzusetzen ist, wird deutlich, welche Bedeutung die Form der Anrede für viele Deutsche noch hat.

Chef und Mitarbeiter

Im Job sollte man darüber nachdenken, ob das „Du“ die Ansprache unangenehmer Themen oder Konflikte erschweren könnte. Nicht alle Menschen sind kommunikativ so professionell aufgestellt, dass ihnen beim „Du“ auch schwierige Botschaften fließend über die Lippen kommen. Das „Sie“ ermöglicht vielen eine bessere Grenzziehung, eine so genannte professionelle Distanz. Allgemein lässt sich sagen, dass in sozialen Berufen, im Handwerk, in der Werbung oder der IT-Branche das allgemeine „Du“ weitaus gängiger ist als zum Beispiel in Behörden, Banken oder Versicherungen. In internationalen Unternehmen, die in Deutschland Niederlassungen unterhalten, hört man manchmal eine Mischform, nämlich das Siezen unter Nutzung der Vornamen.

Nachbarn und Bekannte

Viele Menschen in Deutschland benötigen eine Anlaufzeit des Kennenlernens, bevor sie sich zum „Du“ bereit fühlen. Wenn Sie also Ihre neuen Nachbarn, die Eltern von Spielkameraden Ihrer Kinder oder sonstige nette Menschen kennen lernen, wählen Sie am besten zunächst die Sie-Form.  Je mehr Gemeinsamkeiten Sie im Laufe der Zeit entdecken werden, je mehr Sie sich zu erzählen haben, umso leichter fällt dann auch der Schritt zum „Du“. Aber mitunter braucht das Zeit. Seien Sie also nicht irritiert. Das „Du“ ist keine unbedingte Voraussetzung für die Entwicklung fruchtbarer, erfüllender Beziehungen. Es stellt sich irgendwann von allein ein, und wenn nicht, heißt das nicht, dass man Sie nicht mag.

Der Trend zum ungezwungenen Duzen breitet sich immer weiter aus. Nicht nur im Zuge webbasierter sozialer Netzwerke sondern auch im richtigen Leben wird der Umgang lockerer.  Mit Gelassenheit und guten Umgangsformen lassen sich zwischenmenschliche Beziehungen wunderbar aufbauen und pflegen.