typically german; – Anja Spohr, Belinda Villbrandt und Gastautoren

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Artikel der Kategorie ‘In Deutschland arbeiten’

Betriebssport – immer in Bewegung bleiben

Januar 10, 2012 Von: Belinda Villbrandt Kategorie: In Deutschland arbeiten Noch keine Kommentare →

Frage ich meinen mittlerweile über 65jährigen Onkel, was ihm in seiner über 40jährigen Berufszeit am meisten Spaß gemacht habe, werde ich als Antwort wahrscheinlich bekommen: na, der Betriebssport natürlich. Der hat zwar außerhalb der Arbeitszeit stattgefunden, aber seine  Tischtennis-Clique ist noch heute – als Pensionär –  ein wichtiger Bestandteil seines Lebens.  Sie traf sich einmal in der Woche abends zum Trainieren und anschließend auf ein Bier und ein deftiges Essen in der Kneipe. Sie nahm an Turnieren und Punktspielen teil und ging manches Jahr sogar mit Ehefrauen auf Sportreise.

Wettbewerb nur als Anreiz

Betriebssportlern ist der Zusammenhalt, das Kollegiale und das Mannschafts-Miteinander oftmals wichtiger als nach Siegen zu ringen und aufgestellte Rekorde zu brechen. Es geht um soziales Miteinander außerhalb des Büros, Spaß und natürlich auch Wettbewerb. Der gilt aber eher als Anreiz, überhaupt sportlich aktiv zu werden. Jeder, der schon einmal mit einer Betriebssportgruppe im Park Fußball gespielt oder gemeinsam mit anderen gekegelt hat, weiß, wovon ich rede.

Angebote unterschiedlichster Couleur

Seine Wurzeln hat der Betriebssport  in  der deutschen Arbeiterbewegung des 19. Jahrhunderts.  Einen Ausgleich zur beruflichen Tätigkeit durch eine regelmäßige sportliche Betätigung zu schaffen und die Gesundheit des Einzelnen zu stärken, stehen neben gesellschaftlichem Miteinander klar im Vordergrund. In vielen Firmen wird der Betriebssport mit viel Enthusiasmus organisiert, entweder durch die Arbeitnehmervertretungen, durch die Unternehmensleitung oder auch in privater Initiative. Je nach regionalen Möglichkeiten finden sich Angebote unterschiedlichster Couleur: Schwimmen, Tennis, Mountain Biking, Leichtathletik, Handball, Volleyball, Inlineskaten, Bowlen, Tanzen, Schach und viele mehr. Mancherorts werden heute auch Entspannungstechniken und Bewegungstherapien angeboten, was ganz klar zunehmenden Belastungserkrankungen geschuldet ist.

Offenen Auges zu neuen Kontakten

Für Expatriates bietet gerade der Betriebssport besonders gute Möglichkeiten, mit einheimischen (Sports-)kollegen in den Kontakt zu kommen. Und für die bindungswilligen Singles unter den Expatriates: ich habe schon auf so mancher Hochzeit getanzt, die aus dem Kennenlernen im Betrieb(ssport) resultierten. Also Augen auf bei der Sportwahl – und  fragen Sie mal nach, welche Möglichkeiten Ihr Arbeitgeber so bietet.

 

 

Nachweiswahn oder: wichtige Jobdokumente

Dezember 13, 2011 Von: Belinda Villbrandt Kategorie: In Deutschland arbeiten Noch keine Kommentare →

Nachweise im normalen Leben

Neben den Nachweisen und Dokumenten, die erforderlich sind, um überhaupt in Deutschland leben und arbeiten zu können (siehe auch Beitrag „Formalitäten für das Leben und Arbeiten in Deutschland http://www.typically-german.com/?p=282), gibt es noch eine Fülle anderer Notwendigkeiten, ob nun beim Autofahren oder auch die eigene Qualifikation betreffend:

  • Haben Sie mal auf die deutschen Nummernschilder der Autos geschaut? Ohne die gültige „TÜV-Plakette“, den Nachweis, dass sich das Auto in einem technisch einwandfreien Zustand befindet, müssen Sie Ihr Auto stehenlassen.
  • Und zulassen können Sie das Auto ohnehin erst, wenn Sie den Nachweis einer Kraftfahrzeugversicherung erbringen.
  • Wenn Sie diese Hürden genommen haben, fahren Sie aber bloß nicht los, ohne eine leuchtende Warnweste, ein Warndreieck oder einen Verbandskasten an Bord zu haben. Sie riskieren ein Bußgeld, wenn Sie deren Vorhandensein nicht nachweisen können.
  • Können Sie als Handwerker einen Sachkundenachweis vorlegen? Nur dann dürfen Sie mit wassergefährdenden Stoffen wie Lacken, Heizöl oder Benzin arbeiten.
  • Wollen Sie mit Lebensmitteln tierischer Herkunft arbeiten? Dann benötigen Sie auf jeden Fall eine Belehrung nach § 43 Infektionsschutzgesetz, früher auch „Gesundheitszeugnis“ genannt.
  • Wollen Sie in Deutschland selbständig tätig werden? Dann brauchen Sie in aller Regel einen Gewerbeschein, denn die selbständige Tätigkeit ist anzeigepflichtig, egal, ob haupt- oder nebenberuflich ausgeführt.
  • Und wer in Deutschland studieren möchte, muss erst einmal nachweisen, dass er oder sie  die Allgemeine Hochschulreife erworben hat.

Fragen zu Nachweisen und Genehmigungen kosten uns Deutsche immer wieder viele Gedanken und Energie. Vertrauen ist zwar gut, aber Kontrolle eben doch besser! Schließlich ermöglicht sie ein gepflegtes Maß an Sicherheit, die wiederum der Gemeinschaft zu Gute kommt.

Nachweise im Arbeitsleben

In Europa sind Deutschland und die Schweiz die einzigen Länder, in denen es für Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis gibt. Im Einstellungsverfahren genießen entsprechende Nachweise somit eine hohe Bedeutung. Eine „vollständige Bewerbung“ umfasst normalerweise die folgenden Dokumente:

  • Kopien aller Schul- und Universitätszeugnisse
  • Nachweise über Zusatzausbildungen oder Trainingsmaßnahmen
  • Zeugnisse der bisherigen Arbeitgeber
  • Foto auf dem Lebenslauf oder dem Deckblatt der Bewerbung

Wenn Sie sich auf einen Arbeitsplatz bewerben, der Deutschkenntnisse erfordert, sollten Sie Ihr Anschreiben und Ihren Lebenslauf immer auf Deutsch einreichen. Versuchen Sie auch, Ihre Nachweise in übersetzter Form bereitzuhalten.

Man muss sich bei uns einfach gut organisieren und darauf achten, sich Tätigkeiten und Weiterentwicklungen durchgängig bescheinigen zu lassen. Es mag kompliziert und überflüssig erscheinen, aber im Kontakt mit Arbeitgebern und Geschäftspartnern erleichtern diese „Nachweise“ in Deutschland das Leben ungemein.

Dress Code

Dezember 06, 2011 Von: Anja Spohr Kategorie: In Deutschland arbeiten Noch keine Kommentare →

Kleider machen Leute

Über das passende Outfit machen wir uns in diversen Lebenslagen Gedanken. Was ziehe ich an, wenn ich zum Vorstellungsgespräch gehe? Bin ich zur abendlichen Einladung beim Chef angemessen gekleidet? Wie hip muss ich auf der Party bei den Nachbarn erscheinen? „Kleider machen Leute“, weiß ein Deutsches Sprichwort. Generell heißt es ja, man sei besser over- als underdressed. Aber auch dabei kann man sich einfach nur unwohl fühlen. Zum Beispiel, wenn man als einziger in einem Job-Interview einen Schlips trägt und alle anderen Gesprächspartner lässig in Jeans und Sweatshirt dasitzen. Ergo: Information und Vorbereitung ist die halbe Miete. Man sollte schauen, was man über die Umgebung, zu der man sich passend kleiden möchte, vorab herausfinden kann.

Konservativ oder modern?

Schon bei Bürotätigkeiten gibt es hinsichtlich der „richtigen Kleidung“  enorme Unterschiede: Banken und andere Unternehmen, in denen die Angestellten viel Kundenkontakt haben, sehen ihre MitarbeiterInnen in aller Regel lieber konservativer gekleidet. Dies hat mit einem seriösen Bild zu tun, das man der Kundschaft vom eigenen Hause vermitteln möchte. Frei nach dem Motto: „Bei unseren kompetenten Mitarbeitern sind all Ihre Angelegenheiten in besten Händen!“ . Werbeagenturen  wiederum setzen naturgemäß auf ein modernes, kreatives Image, wodurch eher individuelle, aktuell angesagte Klamotten zum Einsatz kommen. In kundenfernen Tätigkeiten ist der Kleidungsstil insgesamt etwas freier, wobei wir Deutschen uns auf der Arbeit – was die Kleidung anbelangt – tendenziell etwas zurücknehmen. Lederjacken, Stilettos oder Piercings werden eher als Privatangelegenheit betrachtet und haben nach Ansicht vieler Führungskräfte am Arbeitsplatz weniger verloren, es sei denn, man arbeitet in einschlägigen Branchen. Glücklich sind dabei wohl diejenigen, die in einer Branche arbeiten, in der es eine Art „Arbeitsuniform“ gibt, wie z.B. Servicekräfte in der Gastronomie oder Handwerkerberufe. Hier entfällt vor allem der tägliche Überlegungsstress, was man heute anziehen soll.

After Work-Termine

Geht man nach dem Bürotag gemeinsam mit Kollegen oder Geschäftspartnern zum Abendessen, ist die Wahl der Kleidung relativ einfach: so bleiben, wie man im Büro gekleidet war. Wenn es zu leger für einen offiziellen Abendtermin ist, hilft die Krawatte in der Schreibtischschublade. Sollten Sie vor dem Beginn des gemeinsamen Geschäftsessens noch nach Hause gehen, ziehen Sie besser keine Jeans an sondern wechseln maximal die Flanellhose und schlüpfen in ein frisches Hemd. Auch außerhalb der geschäftlichen Umgebung kann man passend oder weniger passend gekleidet sein. Wenn Sie ganz neu in Deutschland sind und noch unsicher, wie die Gepflogenheiten in Sachen Dress Code sind, ist es ein guter Aufhänger, den Gastgeber direkt zu fragen, welchen atmosphärischen Rahmen er sich bei seiner Einladung vorstellt. Das zeigt Wertschätzung und Aufgeschlossenheit und bietet unmittelbar erste Gesprächsthemen.

Gehälter in Deutschland

November 29, 2011 Von: Belinda Villbrandt Kategorie: In Deutschland arbeiten 1 Kommentar →

Die Gehaltsdiskussionen in Deutschland sind geprägt von der so genannten Tarifautonomie. Dies bedeutet, dass die Tarifpartner – Gewerkschaften und Arbeitgeber – den Tarifvertrag und somit Gehälter in der freien Wirtschaft autonom, das heißt ohne Einflussnahme anderer, besonders staatlicher Stellen, verhandeln und abschließen dürfen. Wenn es bei den Verhandlungen nach den Gewerkschaften geht, gibt es immer einen Grund für Lohn- und Gehaltserhöhungen. Wenn es wiederum nach den Arbeitgebern geht, kommen Gehaltserhöhungen in aller Regel ungelegen. Entweder geht die Wirtschaft zurück und der Unternehmer muss sparen oder aber, die Wirtschaft boomt und das Wachstum darf nicht zusätzlich belastet werden.

Die vergangenen Jahre waren allseits geprägt durch die Sparappelle der Unternehmer. Seit dem Jahr 2000 müssen Deutschlands Arbeitnehmer real, soll heißen nach Abzug der Inflationsrate, Einkommensverluste hinnehmen. Zu dieser Einschätzung kam eine Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Ist diese unternehmerische Gangart womöglich die Grundlage dafür, dass Deutschland in schwierigen Zeiten von Bankenkrisen und Staatspleiten wirtschaftlich noch recht stabil da steht?

Schauen wir auf die Beschäftigten in Deutschland. Einerseits können die meisten Arbeitnehmer durch ihr monatliches Salär ihren Lebensunterhalt bestreiten und im besten Fall auch Rücklagen für das Alter und Urlaube tätigen. Andererseits wird die Anzahl derer, deren Einkommen selbst für die nötigsten Ausgaben wie Miete, Verpflegung und Kleidung nicht reicht, immer größer. Von Urlauben und Altersvorsorge ganz zu schweigen.

Im Durchschnitt verdiente in 2010

  • Ein Bürokaufmann € 2.157,–
  • Ein Kraftfahrzeugmechaniker € 2.269,–
  • Ein Fachinformatiker € 2.610,–
  • Ein Chemielaborant € 2.917,–
  • Ein IT-Systemadministrator € 3.199,–
  • Ein Bankkaufmann € 3.621,–
  • Ein Ingenieur € 4.380,–

brutto monatlich. (Quelle: lohnspiegel.de) Vom Bruttogehalt gehen in Deutschland Sozialabgaben und Steuern ab, so dass – je nach persönlicher Situation  – ein deutlich geringerer Auszahlungsbetrag übrig bleibt. Einen Brutto-Netto-Rechner finden Sie unter  http://www.brutto-netto-rechner.info/

Legt man die geschilderte Reallohnentwicklung gegen die demographische Entwicklung der kommenden Jahre in Deutschland und den ins Haus stehenden Fach- und Führungskräftemangel, dürften hervorragend ausgebildete Fachkräfte mit neuen Verträgen deutliche Gehaltsentwicklungen realisieren können. Einfache Tätigkeiten, die auch ohne fundierte Ausbildung erlernbar sind, stehen hingegen in der Gefahr, vom Lohnniveau her weiter zu sinken.

 

Einarbeitung in den neuen Job

Oktober 30, 2011 Von: Belinda Villbrandt Kategorie: In Deutschland arbeiten 1 Kommentar →

Informationen helfen.

Natürlich sind gerade die ersten Tage im neuen Arbeitsumfeld immer recht aufregend. Bestenfalls haben Sie sich schon im Vorfeld viele Informationen über Ihr neues Umfeld zugänglich gemacht. Dies kann über Firmenbroschüren, Geschäftsberichte oder allgemeine Internet-Recherche geschehen sein. Vielleicht haben Sie als Konzernmitarbeiter aber auch Mitarbeiterzeitschriften und Haustelefonbücher durchstöbert. Noch besser dran sind diejenigen, die vielleicht schon einen anderen Mitarbeiter aus der neuen Firma kennen.

Fahrplan vorhanden?

Idealerweise hat sich Ihr neuer Arbeitgeber bereits gut auf Ihren Einstieg vorbereitet. Dann existiert tatsächlich eine Art Fahrplan für Ihren Start im neuen Job. Dieser regelt dann Details, von der Ausstattung mit einem Dienstausweis bis hin zur Festlegung Ihrer persönlichen Kompetenzen. Eventuell wurde Ihnen sogar ein so genannter Pate, also ein erfahrener Kollege, als Ansprechpartner zur Seite gestellt, der Ihnen einen einfachen Einstieg und viele neue Kontakte ermöglicht.

Ob nun mit oder ohne erkennbaren Fahrplan, Sie selbst können aktiv zu einem guten Beginn beitragen!

Guter erster Eindruck unterstützt reibungslosen Start.

Am ersten Arbeitstag ohne Entschuldigung eine halbe Stunde zu spät gekommen, wichtige Unterlagen vergessen, das nicht gebügelte Hemd mit Flecken angezogen oder sich laut und wild gestikulierend über das schlechte Hotel beklagt… Hat man den ersten Eindruck erst einmal verdorben, ist es schwer, den wieder zu relativieren. Neben passender Kleidung und Pünktlichkeit gehören zum ersten Kontakt auf jeden Fall auch ein höfliches, dezentes Auftreten, eine freundliche Mimik und eine positiv-interessierte Grundhaltung. Und dies unabhängig davon, ob man dem neuen Chef, neuen Kollegen, der Personalabteilung oder dem Pförtner begegnet. Ein freundliches, wertschätzendes Miteinander trägt zu einem guten Betriebsklima bei!

 

Mit Offenheit auf andere zugehen.

Unabhängig ob Mann oder Frau, ob in Griechenland oder in Afghanistan geboren, ob dem Christentum oder dem Buddhismus zugehörig…  In Deutschland tun wir viel dafür, damit wir respektvoll und tolerant mit einander umgehen. Man muss nicht mit jedem – auch in der neuen Firma nicht – gut Freund werden. Mit dem „Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz“ ist noch einmal ein Stück tiefer in die Firmen eingezogen, sich nicht gegen Einzelne oder Minderheiten zu verbünden und sie zu diskriminieren. Im Job geht es um ein konstruktives Miteinander und das gemeinsame Lösen von Aufgaben. Gegenseitige Akzeptanz und ein Teamgefühl, für das jeder Einzelne eine Menge tun kann, sind hierfür von großer Bedeutung.

 

Erst Unsicherheiten ansprechen, dann gezielt handeln.

Was genau zählt eigentlich zu meinen Aufgaben? Bei welchen Themen muss ich den Abteilungsleiter einschalten? Wie muss ich mich in einem Sonderfall verhalten? …  Jedem Neuen wird nachgesehen, dass er noch nicht mit allen Themen vertraut ist. Daher sollte gleich zu Beginn geklärt werden, wer im Falle von Fragen der erste Ansprechpartner ist. Gerade in der Anfangszeit sollten die Dinge, die zu Unsicherheiten führen, aktiv und konsequent geklärt werden. Die Fragen sollten deutlich formuliert und gestellt werden, und zwar wirklich so lange, bis die Antwort auch wirklich verstanden wurde. Kurze Notizen helfen dann später dem Erinnerungsvermögen auf die Sprünge. Kollegen haben in aller Regel Verständnis, dass es zu Beginn eine Menge an Fragen gibt. Wenn diese sich aber anfangen zu wiederholen, wird auch das Verständnis der Kollegen schwinden. Häufig spricht man in Deutschland von den ersten 100 Tagen im neuen Job. Das Ziel sollte sein, nach dieser Zeit in den neuen Aufgaben recht sattelfest zu sein.

Betriebsrat in Deutschland

August 26, 2011 Von: Anja Spohr Kategorie: In Deutschland arbeiten Noch keine Kommentare →

In Unternehmen jeglicher Couleur sitzen in Deutschland so genannte Arbeitnehmervertreter. Zum Schutz der Arbeitnehmer nehmen Betriebsräte  in Gremien ihr gesetzlich definiertes Recht auf Mitwirkung und Mitbestimmung aktiv wahr. So werden unternehmerische Entscheidungen maßgeblich beeinflusst, sei es durch die erforderliche Zustimmung des Betriebsrates bei Einstellung oder Versetzung von Mitarbeitern oder durch die erforderliche Beratung strategischer Maßnahmen mit der Arbeitnehmervertretung. Insgesamt sind viele verschiedene Mitbestimmungs- und Informationsrechte des Betriebsrates zu beachten, gerade wenn Sie Veränderungen planen, seien es kleine oder große.  An dieser Stelle gehen wir auf Grundlegendes zu diesem Thema ein.

 

Arten und Ausprägungen

Es gibt verschiedene Arten und Ausprägungen von Betriebsräten in Deutschland: lokale Betriebsräte, Gesamtbetriebsräte, Konzernbetriebsräte und über die Ländergrenzen in Europa hinweg den europäischen Betriebsrat. Es gibt kooperative und konstruktiv streitende Betriebsräte, gewerkschafttreue Betriebsräte, die „roten Socken“, die Machtspieler und die Verhinderer. Und sicher noch viele andere Ausprägungenund  Schnittmengen.

Wieso überhaupt ein Betriebsrat?

Ein Unternehmen kann einen Betriebsrat haben, muss es aber nicht. Kurz zum historischen Hintergrund: Als betriebliche Interessenvertreter von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern waren Betriebsräte bereits während der Weimarer Republik in deutschen Unternehmen aktiv. Ein erstes Gesetz dazu wurde 1920 erlassen: das Betriebsrätegesetz. 1952 entstand dann das Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG), welches 1972 überarbeitet wurde und heute nach wie vor die Grundlage für die Betriebsratsarbeit ist (siehe: http://www.gesetze-im-internet.de/betrvg/index.html ). Ein weiteres Gesetz, das Rechte für den Betriebsrat ableitet, ist das Kündigungsschutzgesetz.

Ein Betriebsrat kann in Unternehmen mit mindestens 5 ständigen Mitarbeitern gewählt werden. Sollte dies in Ihrem Unternehmen der Fall sein oder geplant werden, sollten Sie tunlichst vermeiden,  die Gründung eines Betriebsrates verhindern zu wollen. Das kann bereits der Anfang vom Ende einer vertrauensvollen Zusammenarbeit sein. Denn verhindern werden Sie es nicht, wenn der Stein schon ins Rollen gekommen ist.

Ein verantwortungsvoller Betriebsrat kennt sich nicht nur mit den Gesetzen und seinen Rechten und Pflichten aus. Er kennt auch sein Unternehmen sehr gut, weiß, welches die Kernkompetenzen sind und wie die Mitarbeiter am besten in unternehmerische Prozesse einbezogen werden können. Einen solchen Vorteil kann ein Unternehmer oder eine Führungskraft sehr konstruktiv nutzen.

Binden Sie Ihren Betriebsrat idealerweise als Sprachrohr in beide Richtungen ein:

  • als Übermittler von Nachrichten oder Fragen aus dem Kollegenkreis oder
  • als Unterstützer bei der Vermittlung relevanter Informationen im Unternehmen

Eine solche Art der Zusammenarbeit bedingt automatisch, dass Sie sich gegenseitig rechtzeitig über wichtige Entwicklungen informieren. Sie fördert den Dialog und nützt beiden Seiten, den Mitarbeitern wie auch den Führungskräften.

Wenn nichts mehr geht

Wie oft hören wir in Deutschland von internationalen Kollegen, dass die Institution Betriebsrat unternehmerische Erfolge verhindert und Entwicklungen durch seinen Einfluss nicht schnell genug vorangehen. Diese Einschätzung ist sicher manchmal zutreffend, es gibt aber auch eine Fülle von Beispielen konstruktiver Zusammenarbeit zwischen Betriebsräten und Geschäftsleitung. Wenn es mit dem Betriebsrat „nicht läuft“ ist das nicht immer nur auf ein grundsätzlich oppositionelles Verhalten eines Betriebsrates zurückzuführen. Und bei genauem Hinsehen trifft auch oft die Aussage zu: „Jedes Unternehmen hat den Betriebsrat, den es verdient“. Das heißt auch, dass die Beziehung zwischen den Parteien immer ein Ergebnis des gegenseitigen Umgangs ist. Das wird häufig vergessen. Wenn also die Situation festgefahren scheint, sollte man durchaus auch mal zum Äußersten greifen. Und miteinander reden.

»Gerade die Krise hat gezeigt, wie sehr Beschäftigte und Unternehmen davon profitieren, dass es engagierte und verantwortungsvolle Betriebsräte gibt, die auf Augenhöhe mit den Arbeitgebern, flexibel und mit großer Umsicht die Interessen der Belegschaft vertreten. Ohne das Mitwirken der Betriebsräte würde Deutschland die Krise nicht so gut überstehen. Und ohne Betriebsräte wäre die deutsche Wirtschaft auch nicht so leistungsfähig.«

Dr. Ursula von der Leyen, Bundesministerin für Arbeit und Soziales

7 Leitsätze deutscher Arbeitskultur

August 22, 2011 Von: Belinda Villbrandt Kategorie: In Deutschland arbeiten Noch keine Kommentare →

So, und nun ist Schluss mit lustig. Nun brauchen wir Disziplin, Ordnung und Konzentration! Reißen Sie sich zusammen, fokussieren Sie, denn wir werden Ihnen nun die ultimativen 7 Leitsätze deutscher Arbeitskultur vorstellen.

Diese „7 Leitsätze“ sind keine stumpfen Regeln, nein, sie sind das Gesetz. Der Survival-Plan, ihr Schlüssel zur komplexen, geordneten Welt der deutschen Arbeitskultur. Nur sie gelten, nicht mehr und nicht weniger.

Punkt 1.

Früher war alles besser.

Bereichern Sie ständig und so oft es geht Ihre Kollegen und Nicht-Kollegen in allen Meetings mit Ihrem Wissen, dass früher zwar nicht unbedingt alles besser, aber im Prinzip generell gut war. Untermalen Sie diese Kenntnis mit einem nachdrücklichen Kopfnicken. Sie werden sehen, wie schnell Sie Freunde finden werden, die sich mit Ihnen im inbrünstigen Streben nach Beständigkeit verbrüdern.

 

 

Punkt 2.

Das sollten wir aber schriftlich festhalten.

Das allererste, das Sie nach dem Betreten des Raumes, in dem Ihre Besprechung stattfindet, tun sollten, ist es, mit vollkommener Motivation darauf zu bestehen, dass alle getroffenen Regelungen auf jeden Fall schriftlich festgehalten werden. Nur auf diese Weise können Sie alles –ob wichtig oder nicht- archivieren und bei passender Gelegenheit, sogar Jahre später, aus den Tiefen Ihres verstaubten, aber dennoch geordneten Aktenkellers kramen. Auch sollten Sie stets alles genau hinterfragen. Egal um was es geht, fragen Sie nach! Nichts ist wichtiger, als alle Fakten umfassend zu kennen und zu prüfen. Besonders wenn es darum geht, eine Entscheidung zu treffen.

Punkt 3.

Ohne Fleiß kein Preis.

Machen Sie auf jeden Fall allen Menschen in ihrem gesamten Umfeld unerlässlich und pausenlos deutlich, wie sehr Sie sich anstrengen. Denn Sie sind der/die Fleißigste, Motivierteste, Strukturierteste und schlichtweg der/die Beste! Sie geben alles, arbeiten länger als gefordert, haben enorm viel zu tun und denken sogar noch zuhause über Problemstellungen nach. Pünktlich Feierabend machen Sie nur im absoluten Ausnahmefall, sich anzustrengen ist Ehrensache! Alleskönner, die locker und trotzdem erfolgreich durch das Leben gehen, sind uns Deutschen nun einmal suspekt.

Punkt 4.

Ordnung ist das halbe Leben.

Auch was die Ordnung betrifft, gilt: Halten Sie sich an die Spielregeln! Schon Goethe mahnte: „Gebraucht der Zeit, sie geht so schnell von hinnen, doch Ordnung lehrt euch Zeit gewinnen.“ Ordnung ist der Weg zum Erfolg, räumen Sie somit mehrmals täglich Ihren Arbeitsplatz auf. Beachten Sie dabei jedoch, dass er niemals leer aussehen darf. Eine gut strukturierte Ablage, chronologisch und am besten auch noch alphabethisch sortiert darf nicht fehlen. Informieren Sie sich detailliert über Gesetze, Verordnungen und betriebliche Regelungen. Halten Sie diese ein! Seien Sie pünktlich! Sowohl zu Besprechungen, als auch zu den Pausenzeiten. Entwerfen Sie Checklisten! Nutzen Sie jegliche Möglichkeit Ordnung zu schaffen!

Punkt 5.

Das Haar in der Suppe suchen.

Falls Sie tatsächlich einmal für Ihre Leistung gelobt werden sollten, achten Sie bitte genau darauf, ob nicht mit dem Lob auch irgendein kritischer Unterton verbunden ist. Seien Sie skeptisch! Wenn dieser negative Beigeschmack nicht auszumachen ist, weisen Sie am besten selbst noch einmal mit leicht zusammengekniffenen Lippen darauf hin, dass es ja auch sehr viele Schwierigkeiten gab, dass es sicher noch nicht die optimale Lösung ist und dass natürlich, selbstverständlich alles verdam.. pardon, außerordentlich anstrengend war (siehe Punkt 3). Und sollte Ihnen jemand ein Angebot machen, z.B. die Teilnahme an einer Veranstaltung, prüfen Sie im eigenen Interesse erst einmal ganz genau, ob damit auch wirklich kein Haken verbunden ist.

Punkt 6.

Sollen das doch erst einmal die anderen machen.

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie sitzen an Ihrem wohl sortierten Schreibtisch, sortieren gerade Ihre Büroklammern nach Größe und Farbe und plötzlich erfahren Sie, dass betriebliche Veränderungen geplant sind. Wahren Sie hierbei die Fassung und machen Sie zu allererst deutlich, dass das für Sie sowieso nichts Neues ist und dass das früher auch schon probiert wurde. Und damals hat es auch nichts gebracht. Alter Wein in neuen Schläuchen. Sofern das auf taube Ohren stoßen sollte, regen Sie an, dass erst einmal die anderen aktiv werden sollten. Sie haben sowieso genug zu tun und für Sie selbst ist das ja schließlich sowieso nichts Neues.

 Punkt 7.

Darauf habe ich Anspruch

Die Arbeitswelt besteht aus Pflichten, aber auch aus Rechten. Gelegentlich wird es sehr deutlich, was bei dem ein oder anderen im Vordergrund steht. Stimmen Sie auf jeden Fall rechtzeitig in den Chor mit ein, wenn es darzustellen gilt, was Sie schon alles geleistet haben, dass Ungerechtigkeiten in der Regel auf dem Rücken der Falschen ausgetragen werden, dass Sie in der Vergangenheit meist bei der Verteilung von Privilegien übergangen wurden und dass Sie die wahren Hintergründe sowieso durchschauen.  Wenn Sie das nicht tun, machen es die anderen.

 

 

So, das waren sie. Die 7 Leitsätze! Wir sind gespannt, welche weiteren Beispiele deutscher Arbeitskultur unseren Blog-Usern einfallen werden…