typically german; – Anja Spohr, Belinda Villbrandt und Gastautoren

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Artikel der Kategorie ‘In Deutschland leben’

Kaffeekultur in Deutschland

Juni 14, 2012 Von: Anja Spohr Kategorie: In Deutschland leben Noch keine Kommentare →

Die Statistik lehrt, dass in Deutschland  86% der Erwachsenen mehrmals täglich oder wöchentlich Kaffee trinken. Mit jährlich ca. 150 l Kaffee pro Kopf konsumieren die Deutschen damit mehr davon als Wasser oder Bier. Umso erstaunlicher ist, dass, obwohl die Deutschen den Kaffee offensichtlich sehr schätzen, die Bereitschaft Neues auszuprobieren oder hier einmal  Qualität  vor Quantität zu stellen, relativ wenig verbreitet ist. Am liebsten trinkt der Deutsche nämlich immer noch den guten alten Filterkaffee, der so schön sauer ist, eine wunderbar transparente bräunliche Farbe hat und in erster Linie nach Papierfilter duftet. Filterkaffee gibt es schon seit 1908, als nämlich Melitta Benz („Melitta“ ist ein namenhafter Filtertütenhersteller) zum Filtern ihres Kaffees ein Löschblatt aus der Schultüte ihres Kindes benutzte. Eine lange Tradition also.

Cappuccino mit Milch oder mit Sahne?

In manchem Café in weiten Teilen Deutschlands hört der Gast auf die Frage „machen Sie den Cappuccino mit Sahne?“ die geradezu entrüstete  Antwort „Aber selbstverständlich!“, von daher ist es ratsam, diese Frage stets zu stellen, wenn man weiß, wie ein Cappuccino im Original zubereitet wird.

Auf der Terrasse nur Kännchen….

Ebenso weit verbreitet ist die Sitte, im Außenbereich mancher Cafés nur die „große Portion“ zu servieren – keiner weiß so wirklich, warum.

Man muss ja nun sicher nicht gleich die kompliziertesten Kaffeekompositionen der verschiedensten Kaffeehausketten wählen oder sich eine kostspielige Espressomaschine für daheim zulegen, um guten Kaffee zu genießen. Eine Gelegenheit, sich über Kaffee im Allgemeinen und im Besonderen zu informieren gibt es seit einigen Jahren am „Tag des Kaffees“. Dieses Jahr wird am 28. September 2012, veranstaltet durch den Deutschen Kaffeeverband e.V.,  erneut rund um die braune Bohne informiert. Mehr dazu finden Sie unter: http://www.tag-des-kaffees.de/index.html

Wer nicht so lange warten möchte, kann sich mit einem leckeren Rezept einstimmen:

Eiskaffee Alaska
An Zutaten benötigen Sie:
1/2 Liter kalten Kaffee, 1/2 Liter Vollmilch, 4 El Zucker, 1 Packung Vanille-Eis
Zubereitung: Die Vollmilch mit einem Rührgerät unter den Kaffee rühren. Das Vanille-Eis dazugeben und für ca. 15 Min. im Kühlschrank kalt stellen. Dann in große Gläser füllen und kalt servieren.

Die D-Mark

April 24, 2012 Von: Anja Spohr Kategorie: In Deutschland leben Noch keine Kommentare →

Währungsfragen: “DM“ – die Deutschmark

Eurorettungsfonds und die Stabilisierung der Märkte sind als Stichworte in aller Munde. Als vor weit über 10 Jahren  der Euro die Deutschmark als Währung in Deutschland ablöste, hätte sich die Mehrheit der Deutschen nichts Schöneres vorstellen können, als ihre gute alte Währung zu behalten. Weniger aus fiskalpolitischen denn aus romantischen Gründen. Denn irgendwie haben wir alle an ihr gehangen. Für die Älteren hatte sie Bedeutung als Sinnbild des Wirtschaftswunders in Deutschland und auch für die Jüngeren war es beim Reisen in ferne Länder immer herrlich, die DM in die jeweilige Landeswährung umzutauschen.  Für die so genannten Ostdeutschen (weniger förmlich: „Ossis“) schaffte die Westmark über viele Jahrzehnte Privilegien. Die so genannten Westdeutschen („Wessis“) waren stolz auf ihre DM. Gerade auf Urlaubsreisen war man schließlich wer, die DM symbolisierte auch im Ausland deutsche Wertarbeit.

Zahlungsmittel oder Identifikationsobjekt?

Natürlich erfüllt der Euro den gleichen Zweck wie die Deutschmark. Aber die Identifikationsintensität ist eine völlig andere.  Liebevoll nannten wir die 5-DM-Stücke „Heiermann“ und 1-Pfenning-Münzen wurden jahrelang gesammelt, in Papier gerollt und auf das erste eigene Sparbuch eingezahlt. Die alte Währung schlummert noch in unbekannter Summe in deutschen Haushalten, Scheine und Münzen werden wie Heiligtümer verwahrt und als Andenken geehrt.

Was wäre wenn…..?

Würden wir im unwahrscheinlichen Fall einer Rückkehr zur Deutschmark den Euro genauso vermissen? Etwa die 10- und 20-Cent Münzen, die wir im Portemonnaie immer noch nicht auseinanderhalten können, heimlich behalten? Vermutlich würden wir erneut bei Umrechnungen jahrelang zwei Werte miteinander vergleichen und höchst erschrocken sein darüber, wie hoch die zu zahlenden Summen auf einmal wären. Aber das wird ja nicht passieren.

Deutschland – Paradies für Autofahrer?

April 05, 2012 Von: Belinda Villbrandt Kategorie: In Deutschland leben Noch keine Kommentare →

Auf den ersten Blick erstrahlt Deutschland als das Autoland schlechthin: Volkswagen, BMW, Mercedes, Porsche, Audi – die Augen beginnen zu leuchten. Da liegt es nah, dass gerade in Deutschland viel Wert auf ein gut funktionierendes Straßennetz gelegt wird. Es ist nicht zuviel behauptet, dass die deutschen Straßen mit zu den qualitativ besten weltweit zählen. Was Deutschland aber fast einzigartig macht: auf den Autobahnen gibt es keine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung. Auf immer noch weiten Strecken ruft die Freiheit, die unter der Haube befindlichen PS hemmungslos auszufahren.

Hohes Verkehrsaufkommen bedeutet Stress

Doch keine Freiheit ohne Folgen. Gleichzeitig besitzt statistisch gesehen jeder zweite Deutsche – Kinder mit eingerechnet  – ein Auto. Staus gehören mittlerweile zum gängigen Straßenbild. Entspannung ist nicht in Sicht. Das macht auf Autobahnen die Lust auf Schnelligkeit mitunter zum Frust. Erhöhtes Tempo sorgt darüber hinaus für Gefahr. Kommt man aus Nachbarländern wie den Niederlanden oder Frankreich nach Deutschland, spürt man deutlich Hektik und Drängeln auf den Autobahnen. Höhere Vorsicht ist geboten, erhöhter Fahrspaß also? Für manchen eher erhöhter Fahrstress.

Wen man unterwegs treffen kann

Typische Klischees sollen nicht unerwähnt bleiben: den Familienvater mit Kombi und „Baby an Bord“-Aufkleber und passiv-verhaltener Fahrweise trifft man ebenso wie den autoverliebten „Schrauber“ mit tiefer gelegtem Wagen und Techno-Bässen. Verfolgt wird letzterer auf der linken Spur mit Lichthupe (Verboten!) vom gesettelten Fahrer mit gr0ßem Audi oder Mercedes. Dem ist es nämlich unverständlich, wie diese Jungspunde „seine“ linke Spur besetzen können. Kopfschüttelnd verfolgt dieses Gerase die Fahranfängerin im älteren Gebrauchtwagen japanischer Herkunft, die sich endlich ein Herz fasst, den vor ihr befindlichen LKW zu überholen. Täglich ist viel los auf Deutschlands Straßen. Paradies geht anders!

 

Thank you for travelling with Deutsche Bahn

Februar 23, 2012 Von: Anja Spohr Kategorie: In Deutschland leben Noch keine Kommentare →

Sie fährt schon lange durch Deutschland, die Deutsche Bahn (DB). Mittlerweile existiert ein umfangreiches Streckennetz mit Regionalbahnen, InterCity-Zügen oder dem schnellen ICE (InterCity Express), das auch in entlegene Gegenden Deutschlands führt. Viele Pendler nutzen die Bahn täglich, um zur Arbeit zu fahren. Immer wieder gibt es Lob und Kritik für den Service und die Dienstleistung.  In den vergangenen Jahren kam die „DB“ lange nicht aus den Schlagzeilen heraus, u.a. wegen Unpünktlichkeit der Züge, geplantem Börsengang, ausgefallener Klimaanlagen oder schadhafter Bremsen in den ICE’s.

Immer eine Reise wert – der Weg ist das Ziel

Um es gleich vorweg zu nehmen: es ist immer besser geworden mit unserer Bahn. Meist kommt sie pünktlich und wenn nicht, dann kommt es richtig dick. So kann es durchaus passieren, dass in kurzem Abstand von drei Fahrten keine so klappt, wie gewünscht. Die erste dauert aufgrund von Verspätung und damit verbundenem Verpassen eines Anschlusszuges zwei Stunden länger als geplant, die zweite endet aufgrund von Stellwerkschäden an einem Bahnhof, wo man nicht hin wollte, und die dritte wird auf eine „Bummelstrecke“ umgeleitet, weil sich auf der Schnellspur ein Unfall ereignet hat. Natürlich, eine Vielzahl von Dingen liegen außerhalb des Einflussbereiches des Unternehmens Bahn. Die Jahreszeiten zum Beispiel. Es gibt ein geflügeltes Wort in Deutschland: die vier Feinde der Deutschen Bahn sind Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter. Jede Jahreszeit hat schließlich etwas zu bieten (z.B: Herbstblätter auf den Schienen) und kommt, wie etwa auch Weihnachten, immer recht überraschend.

Kommunikation – aus allem das Beste machen

Auf jeden Fall kann man nach einer Fahrt mit der DB immer etwas erzählen und man lernt auch meistens nette, gleichermaßen geduldige Mitreisende kennen. Einmal hörte ich von einer Fahrt von Hamburg nach Hannover, die normalerweise 1,5 Stunden dauert. Diese Fahrt fand am Heiligabend statt. Alle Reisende hatten also ein gewisses Maß an Proviant dabei (Weihnachtskekse und eine gute Flasche Wein), der am Zielort verschenkt werden sollte. Der Winter bescherte Eisregen, der die Stromverbindungen kappte und zu einer Verlängerung der Reise um satte 9 Stunden führte. Die Reisenden wurden unfreiwillig zur Feiergemeinschaft und es wurde ein lustiger Abend. Als „Ersatz“ für die entgangenen Familienfeiern erhielten die Kunden einen Gutschein für die nächste Reise mit der Bahn. Prima Idee. Und zum Ende der Reise hieß es auch hier: „Thank you for travelling with Deutsche Bahn“.
Ein Board-Steward sagte mir einmal, wer mit der Bahn fährt, muss auf alles gefasst sein. Seitdem übe ich mich in Gelassenheit. Es ist ja, wie gesagt, schon viel besser geworden. Und einen Vorteil hat das Geschilderte gerade für „Deutschland-Neulinge“ – in unerwarteten Auszeiten die ausgiebige Gelegenheit, Landschaften und Leute zu studieren.

Als kleine Übersetzunghilfe aus dem Sprachfundus der Deutschen Bahn empfehlen wir übrigen http://www.bahndeutsch.de

Deutsche Bahn: http://www.bahn.de/p/view/index.shtml

Politik in Deutschland – das Grundgesetz und mehr

Januar 25, 2012 Von: Belinda Villbrandt Kategorie: In Deutschland leben Noch keine Kommentare →

Parteien als Meinungsbildner und Interessenvertreter

Wer in Deutschland lebt, der lebt in einer Demokratie. Das deutsche Grundgesetz, unsere Verfassung, steht über allem. Neben den Grundrechten eines jeden Menschen beschreibt es, wie das demokratische Deutschland funktioniert, z.B. in welcher Form Wahlen stattfinden, welche Aufgaben und Kompetenzen Ämter beinhalten etc. Eine sehr wichtige Funktion im politischen System kommt den Parteien zu. In ihnen findet maßgebende Meinungsbildung und die Bündelung von Interessen statt. Deren aktive Mitglieder stehen bereit, Macht auszuüben und politische Ämter zu bekleiden, um die Interessen ihrer Mitglieder und Hauptwähler durchzusetzen. Mitunter verlaufen sich Parteien allerdings auch, wenn die eigene Überzeugung und Identität hinter dem Ziel, in der nächsten Legislaturperiode wiedergewählt zu werden, zurückstehen muss.

Die heute im Bundestag vertretenen politischen Parteien finden Sie hier:

 

 

Wahlrecht wird häufig nicht wahrgenommen

Die Wahlbeteiligung deutscher Bürger hat in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen. Auch Mitgliederschwund macht den politischen Parteien seit Jahren zu schaffen. Anscheinend erklären sich in Deutschland immer weniger Menschen bereit, verantwortlich politische Diskussionen zu führen und politische Ämter zu bekleiden. Unzufriedenheit mit getroffenen Entscheidungen wird mit Fernbleiben von den Wahlurnen quittiert. Auf regionale Projekte ausgerichtete Volksentscheide und entsprechende Initiativen sind hingegen auf dem Vormarsch.

 

Verantwortung beginnt beim Einzelnen

Demgegenüber steht das auch in  internationalen Fragen rasant an Bedeutung gewinnende Engagement von Politikern. Es sind vordergründig nun mal nicht die Wirtschaftsvertreter, die Lösungen für Bankenpleiten, Staatenkrisen, Machtwechsel erarbeiten und durchbringen müssen. Diese Herkules-Aufgabe steht vorwiegend den vom Volk legitimierten Politikern zu. Nicht zuletzt deshalb erscheint unsere heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel aktuell fast omnipräsent. Die Mehrzahl der Deutschen bewundert und schätzt ihren Einsatz sehr. Wie schön wäre es doch, wenn etwas davon sich auch auf ein verstärktes politisches Engagement der Bundesbürger übertragen würde, zum Beispiel an der Wahlurne, was ein Leichtes wäre. Verantwortung fängt gerade in der Demokratie beim Einzelnen an.

 

Grundrechte stärken die Freiheit des Einzelnen

Kommen wir aber noch einmal auf die Grundrechte zu sprechen. Diese sind im Wesentlichen in den Artikeln 1 bis 19 des deutschen Grundgesetzes zusammengefasst. Leben Sie in Deutschland sollten Sie zu schätzen wissen, dass hier

  • die Würde eines jeden Menschen unantastbar ist
  • jeder das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit hat, sofern er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt
  • alle Menschen vor dem Gesetz gleich und  Männer und Frauen gleichberechtigt sind
  • niemand wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen oder sexuellen Orientierung benachteiligt oder bevorzugt werden darf
  • niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden darf

Diese Inhalte entstammen allein den ersten 3 Artikeln des Grundgesetzes. In weiteren 16 Artikeln geht es um Versammlungsfreiheit und Briefgeheimnis, freie Berufswahl und Unverletztlichkeit der Wohnung und vieles mehr. Auch, wenn uns als Deutschen das Wort „Stolz“  recht schwer über die Lippen geht: auf das seit 1949 bestehende Grundgesetz sind wir stolz!

http://www.bundestag.de/dokumente/rechtsgrundlagen/grundgesetz/index.html

 

Silvester in Deutschland – Dinner for One

Dezember 27, 2011 Von: Anja Spohr Kategorie: In Deutschland leben Noch keine Kommentare →

Alljährlich: Partytime

Und das sicherlich nicht nur in Deutschland. Silvester, also der 31.12. eines jeden Jahres, ist auch in Deutschland eine Nacht der Partys. Manche organisieren rauschende Feste, andere eine legere Party daheim im Partykeller (ja, die soll es heute noch geben) und wieder andere treffen sich zum gemeinsamen Kochen. Oder es wird ein Spieleabend im Kreise der Familie veranstaltet.

Egal, welche Art Veranstaltung es auch ist, eines darf seit Jahrzehnten in Deutschland als Einstieg nicht fehlen:

Dinner for One oder der 90. Geburtstag

Dieser Fernseh-Sketch wurde zwar 1963 vom NDR (Norddeutscher Rundfunk) produziert, erfunden haben ihn aber die Briten.

Der 90. Geburtstag von Miss Sophie (May Warden) wird mit ihren alten Weggefährten zusammen gefeiert. Allerdings sind deren Stühle leer, da die Herren schon vor längerer Zeit verblichen sind. Ganz real und äußerst lebendig ist der Butler James (Freddie Frinton), der in multiplen Rollen agiert: als Servicekraft, als „Sprecher“ für die imaginären Gäste und nach der Party auch in anderer Funktion, die aber – very british – nicht eindeutig definiert wird.

Das kommt an in Deutschland, während das Fernsehspiel in England weitgehend unbekannt blieb.

Butler James und Miss Sophie sind nach fast 50 Jahren und über 230 Ausstrahlungen auf Deutschen Fernsehsendern quasi Familienmitglieder und feste Institutionen in den Wohnzimmern der Silvesterfeierer geworden.

Es gibt kaum jemanden, der nicht zumindest einzelne kleine Passagen aus dem Stück rezitieren kann. Damit landen wir dann auch bei einer ziemlich Deutschen Eigenschaft: der Traditionspflege. Sie bezieht aber auch demnach nicht nur Urdeutsche Themen ein sondern ist durchaus in der Lage, sich kulturell zu erweitern.

Same procedure as every year, James!

http://www.youtube.com/watch?v=NDqD0Dz_J-M                                                                                

Alles Gute, Glück und Zufriedenheit für das Neue Jahr 2012! Wir freuen uns, wenn wir Sie hier auf unserem Blog im kommenden Jahr wiedersehen.

Advent in Deutschland

November 21, 2011 Von: Anja Spohr Kategorie: In Deutschland leben Noch keine Kommentare →

Der Begriff Advent kommt aus dem Lateinischen. Advenire heißt ankommen. Keksmäßig kommen wir in der besinnlichen Zeit alle Jahre wieder bereits Ende September an. Von da an freuen wir uns, dass wir endlich hineinbeißen können in die lecker-saftigen Printen, Lebkuchen und Pfeffernüsse. Keiner tut dies natürlich offiziell vor dem 1. Advent, der immer auf einen Sonntag Ende November bzw. Anfang Dezember fällt. Viermal feiern wir den Advent, dann ist Weihnachten.

 

 „… erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, dann steht das Christkind vor der Tür!“

Adventskalender

Es gibt viele schöne Bräuche rund um den Advent. Und die nicht nur für Kinder – jedenfalls freue ich mich auch als Erwachsene jedes Jahr über einen Adventskalender. Diesen gibt es in den unterschiedlichsten Formen und diejenigen, die ihn schenken oder basteln, können sich kreativ austoben: sei es ein buntes Band mit 24 kleinen Päckchen, aufgehängt über dem offenen Kamin oder ein schlichter Aufstellkalender mit handelsüblichen Schokoladenfiguren – das Türeöffnen und Auspacken steigert die Vorfreude auf den Heiligen Abend und versüßt jeden einzelnen Tag bis dahin.

Adventskranz

Ganz wunderbar ist es auch, jeden Sonntag nach dem 26.11. (der erste Sonntag nach diesem Datum ist der 1. Advent)  eine dicke rote Kerze auf dem festlich geschmückten Adventskranz zu entzünden. Manche Menschen setzen sich dazu dann auch gemütlich zu Hause zusammen, essen im Idealfall selbstgebackene Kekse und trinken dazu Kaffee oder Tee. Auch das stimmt ein und erhellt die immer dunkler werdenden Tage bis Weihnachten, bis uns die vierte Kerze den Weg zum Heiligen Abend erleuchtet. In Büros sollte man übrigens gemeinhin vorsichtig sein mit dem Zündeln, es wird vielerorts aus Sicherheitsgründen nicht gern gesehen. Hier tut es dann – zwar nicht ganz so stimmungsvoll aber besonders  – eine LED-Lichterkette. Künstliches Licht en masse scheint in der Vorweihnachtszeit auch aus so manchem Fenster, entweder in Form so genannter „Rentnertreppen“, die in den buntesten Ausführungen Elektrokerzenschein in die vorweihnachtlich geschmückten Fenster zaubern oder aber in Form handgefertigter erzgebirgischer Schwibbögen. Link:  http://www.erzgebirge-palace.com/Erzgebirgische-Schwibbogen-und-Schwibboegen-im-Erzgebirge-Palast:_:3005.html

Wichteln

Manche nennen es auch Julklapp. Ein skandinavischer Brauch hat sich bis hierher durchgesetzt: witzig verpackte Geschenke mit namenlosen Gedichten werden einem von anonymen Schenkern zuteil. Der Beschenkte ahnt nur, von wem es vielleicht sein könnte. Wichteln ist ein typischer Brauch bei betrieblichen Weihnachtsfeiern, häufig auch als Steigerung  das „Bad-Taste-Wichteln“ oder auch „Schrott-Julklapp“. Da sollten sich diejenigen, die zugelost die kleinen Päckchen kreieren, so manches Mal lieber vorsehen, nicht erkannt zu werden……

Advents- und Weihnachtsmärkte

Durchaus als highlights  der Adventszeit kann man die vielerorts stattfindenden Weihnachtsmärkte bezeichnen. In den Innenstädten beginnen sie gern auch schon Mitte November und dauern bis zum Jahresende. An den Ständen Glühwein, Bratwürste und Schmalzgebäck zu genießen, ist schon etwas Besonderes. Sagt man uns Deutschen auch sonst eine große Ernsthaftigkeit nach, so fangen in den kleinen Budenstädten  die Kinderaugen aller an zu leuchten.  Bei einer reichen Auswahl von Veranstaltungen in der Vorweihnachtszeit ist für jeden Geschmack etwas dabei.Mehr Informationen dazu finden Sie unter

Link: http://www.weihnachtsmarkt-deutschland.de

Genießen Sie die Adventszeit!

Deutsches Bier

November 15, 2011 Von: Belinda Villbrandt Kategorie: In Deutschland leben Noch keine Kommentare →

Jever, Veltins, Krombacher, Bitburger, Weihenstephan – welch ein Wohlklang in unseren Ohren! Die Vorlieben bei deutschem Bier sind verschieden, wir haben ja ein reichhaltiges Angebot: das kühle Helle – auch Pils genannt -, das Dunkelbier, Maibock, Kölsch, Alt oder Weißbier und viele andere Sorten.  Es ist unser Nationalgetränk und damit ist die Qualitätsgarantie inbegriffen. Seit dem Jahr 1516 nach Christus brauen wir in Deutschland nämlich nach dem so genannten Reinheitsgebot. Welches Land kann das schon von sich sagen!

Unzählige Biersorten großer und kleiner regionaler Brauereien prägen den Markt und sind in Fässern, Flaschen, Dosen und eben auch im freien Ausschank zu erwerben. Das Bier wird in Fachbüchern und Romanen gehuldigt, wir singen Lieder darüber und besuchen Museen über das Bier. Und es gibt sogar eine Initiative mit dem Ziel, das deutsche Bier zum Weltkulturerbe zu erklären und damit das Reinheitsgebot unter internationalen Schutz zu stellen.

Auch, wenn das Trinken aus Bierflaschen mittlerweile gesellschaftsfähig geworden ist: das Auge trinkt mit. So ist ein gut gezapftes, wohl temperiertes Bier aus einem ansprechenden Glas nun einmal eine besondere Wohltat. Am besten schmeckt es in einer guten Kneipe in der Gesellschaft  netter Menschen, ob bekannt oder unbekannt. Aber auch ein Selbstversuch mit unterschiedlichen Biersorten zuhause – möglichst an verschiedenen Abenden – lohnt sich in jedem Fall!

Das „gepflegte“ Bier – perfekt eingeschenkt

Kühlen Sie das Bier im Kühlschrank. Nehmen Sie sich ein schönes Bierglas zur Hand und spülen es vor dem Einschenken mit kaltem Wasser aus. Hierdurch wird das Glas ausgekühlt und gleicht sich temperaturmäßig an das Bier an. Öffnen Sie die Flasche und halten Sie sie beim Einschenken schräg zum Glas. Lassen Sie die Schaumkrone den Glasrand erreichen. Stellen Sie das Glas kurz zur Seite, damit das Bier sich setzen kann. Danach schenken Sie soviel nach, bis sich eine wirklich schöne Schaumkrone bildet.

Prosit

Das gemeinsame Anstoßen und sich dabei in die Augen blicken stammt übrigens noch aus dem Mittelalter. Bevor man in Gesellschaft ein Bier trank, stieß man mit seinen Zechkumpanen kräftig an. Dabei schwappte das Bier über, also von einem Becher in den anderen. Hierdurch konnte man sicher sein, dass der  Gegenüber einen nicht vergiften wollte. Das Misstrauen ist gegangen, das Anstoßen ist geblieben! Prosit!

Und sollten Sie einmal in Verlegenheit kommen, einen Trinkspruch aufsagen zu müssen, gibt es hier einen obendrein:

Es tut mir sehr im Herzen weh, wenn ich vom Glas den Boden seh‘!

 

Feiertage in Deutschland

Oktober 25, 2011 Von: Belinda Villbrandt Kategorie: In Deutschland leben 1 Kommentar →

Deutschland und seine Bundesländer  

Freud und Leid liegen nah bei einander

Deutschland hat eine Vielzahl von Feiertagen, an denen die Mehrheit der Bevölkerung nicht arbeitet und Schüler schulfrei haben. Die Feiertage Deutschlands sind einerseits staatlich, andererseits von den 16 Bundesländern geregelt. Trifft man einen Norddeutschen, so hört man oft, dass er bei den Feiertagen gegenüber Süddeutschen klar benachteiligt sei. In der Tat haben die Bundesländer im hohen Norden des Landes, also Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und Niedersachsen  insgesamt weniger verbindliche Feiertage als der Rest der Republik. Somit ist das Thema der Feiertagsregelungen ein immer wiederkehrendes in öffentlicher Diskussion. Die Arbeitgeberverbände bemängeln im innerdeutschen Staatenvergleich zu viele Feiertage. Die Arbeitnehmer hingegen jammern durchaus mal, so bald ein freier Tag auf ein Wochenende fällt, wo man in der Regel ohnehin nicht hätte arbeiten müssen. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern dieser Erde werden allerdings bewegliche Feiertage, die auf einen Samstag oder Sonntag fallen, nicht am Montag danach nachgeholt. In diesem Fall heißt es dann in Deutschland: Pech gehabt!

Tradition und Moderne

Kommt  man aus einem Land, in dem der Jahresurlaub im Durchschnitt zwei oder drei Wochen beträgt, wundert man sich vielleicht über das Ausmaß an Feiertagen in Deutschland. Es gehört zu den Traditionen des Landes, das geschichtlich besonders vom christlichen Glauben aber auch intensiven politischen Kontroversen geprägt ist. Waren Feiertage früher landesweit durch und durch geprägt von Glaubensritualen und öffentlichen Kundgebungen, so steht im Wandel der Zeit für eine nicht unbeträchtliche Zahl von Menschen Familien- und Freizeit im Mittelpunkt. Vielfach werden so genannte Brückentage häufig schon mit in die Urlaubsplanung des Jahres eingeplant. So können sich Mitarbeiter unter Einsatz eines Feiertages beispielsweise vier freie Tage am Stück ermöglichen.

Deutschland und seine Feiertage

Bundeseinheitlich geregelt

Neujahr (1.1.), Karfreitag (Ostersonntag – 2 Tage), Ostermontag (Ostersonntag + 1 Tag), Maifeiertag (1.5.), Christi Himmelfahrt (Ostersonntag + 39 Tage), Pfingstmontag (Ostersonntag + 50 Tage), Tag der deutschen Einheit (3.10.), 1. Weihnachtsfeiertag (25.12.), 2. Weihnachtsfeiertag (26.12.)

Regional unterschiedlich

Heilige Drei Könige (6.1.), Fronleichnam (Ostersonntag + 60 Tage), Mariä Himmelfahrt (15.8.), Reformationstag (31.10.), Allerheiligen (1.11.), Buß- und Bettag

Näheres unter http://de.wikipedia.org/wiki/Feiertage_in_Deutschland

Ist das kulturell bedingt oder sind sie einfach nur unhöflich?

Oktober 09, 2011 Von: t.davis Kategorie: In Deutschland leben Noch keine Kommentare →

Dieser Artikel widmet sich einer ganz speziellen Leserschaft. Er ist für Auswanderer, die erst kürzlich nach Deutschland gekommen und trotzdem schon lang genug hier sind, um bereits den einen oder anderen Kontakt zu Deutschen gehabt zu haben und somit auch die Gelegenheit, sich selbst zu fragen: „Ist das kulturell bedingt oder sind sie einfach nur unhöflich?“  Die Antwort ist… nunja, nicht so einfach. Wir sollten das Ganze mal genauer betrachten!

Sogar in Ihrem Herkunftsland gibt es Leute, die nicht wissen, wie sie sich benehmen sollen. Aber ich rede nicht über diese Art von Menschen. Ich rede über wohlerzogene höfliche Deutsche, ja, Sie haben richtig verstanden, „höflich“.  Wenn Ihnen dennoch Dinge unhöflich vorkommen sollten, ist das nun einmal kulturell bedingt. Kulturelles Hintergrundwissen ist ein Muss, wenn Sie mehr wollen als einfach nur in dieser Gemeinschaft, von der Sie nun ein Teil werden, zu überleben.

Somit lassen Sie mich Ihnen doch einen Tipp zur Deutschen Kommunikation geben. Als allererstes: Deutsche denken, dass Amerikaner es mit ihrer Höflichkeit übertreiben. Sie denken sogar, dass die Amerikanische Höflichkeit ein wenig unehrlich und oberflächlich ist. (Nur zur Info: die meisten Europäer denken das über Amerikaner). Die geradlinigen Deutschen bevorzugen „Ehrlichkeit“. Obwohl dieses Wort im Englischen durch das Wort „tactless“ (=taktlos) ersetzt würde, glauben die Deutschen ernsthaft, dass ehrliche Direktheit der beste Weg ist. So sind Aussagen wie

„Danke für den Wein, aber wir trinken überhaupt keinen Wein. Du kannst ihn gern behalten, wenn du willst.“

Oder

„Danke für das Buch, aber das haben wir schon!“

vollkommen akzeptabel und kommen den Deutschen mit einem Lächeln über die Lippen. Wenn sie Ihnen für den Wein oder das Buch danken und sagen würden, wie viel ihnen das Geschenk bedeutet, wäre das eine LÜGE! Warum also sollten sie jemanden anlügen, den sie mögen?!

Ja, das ausschlaggebende Wort hier lautet „mögen“. Sie müssen mir, was diese Sache angeht, vertrauen. Aber die wirklich wichtige Frage lautet: Wie antworte ich? Nun ja, ich bin Amerikanerin und lebe seit 20 Jahren immer wieder in Deutschland. Ich versuche also seit 20 Jahren, das herauszufinden und mein bester Ratschlag lautet: Seien auch Sie direkt! Da ich in einem Land aufgewachsen bin, wo die kulturelle Wahrnehmung von Direktheit und Unhöflichkeit gleichzusetzen ist, ist dies sicher etwas gewöhnungsbedürftig. Ich würde daher vorschlagen, etwas zu sagen wie :

„Tja, vielleicht kennt Ihr Leute, die Rotwein mögen. Schenkt ihn einfach weiter und macht ihnen eine Freude!“

Diese Antwort wird höchstwahrscheinlich erfreut aufgenommen! Niemand muss sich verstellen und alles ist gut. Das nächste Mal, wenn ein Deutscher schonungslos ehrlich zu Ihnen ist, bedenken Sie vielleicht, dass es dafür noch eine weitere Erklärung geben könnte. Hier gibt es auch einen versteckten Vorteil. Deutsche kommunizieren niemals mit versteckten Botschaften, so ist alles offen gelegt. Es kann sehr erfrischend sein, immer direkt zum Punkt zu kommen. Sie müssen sich nicht mehr den Kopf zerbrechen, was Ihnen Ihr Gegenüber durch die Blume zu sagen versucht. Ich wage mal eine Vorhersage: Sie gewöhnen sich schnell daran und bevor Sie es merken, sind Sie bereits selbst ein wenig taktloser geworden.